China stellt DVD-Konkurrenz vor
China will dem DVD-Standard ein eigenes Produkt entgegensetzen.
Die EVD, so der Name für das Produkt, soll auf im Land entwickelten Technologien beruhen und vor allem den Strom an Lizenzzahlungen an das Ausland kappen.
An der EVD wird seit 1999 gearbeitet, erst am Mittwoch wurde sie allerdings der Öffentlichkeit vorgestellt.
"Es stellt sich nicht die Frage, ob wir die EVD einführen. Es besteht nur die Frage, ob wir es schnell oder langsam machen", so Hao Chieh, Präsident der staatlich gestützten Firma E-World Technology. Das Unternehmen hat den EVD-Standard entworfen.
Die EVD soll bereits hoch auflösendes Video unterstützen, steht also nicht nur mit dem DVD-Standard in Konkurrenz, sondern auch mit dessen Nachfolgetechnologien a la Blue Ray. Ziel ist, die in den Augen chinesischer Produzenten von DVDs und DVD-Playern exorbitanten DVD-Lizenzgebühren zu verringern.
Optimistisch für EVD-Start
Hao ist überzeugt, dass die chinesischen Hersteller auf die EVD
einschwenken werden - immerhin zahlen sie derzeit rund 325 Millionen
USD jährlich allein an Lizenzgebühren. Künftig sollen auch die DVDs
selbst mit derartigen Gebühren belegt werden.
Chinesischer DVD-Nachfolger kommt 2004Das Ministerium für Informationstechnologie will noch im November eine Task-Force gründen, die entscheiden soll, ob EVD als nationaler Standard etabliert wird.
DVD ist derzeit der inoffizielle Videostandard: Mehr als 100 chinesische Hersteller haben im letzten Jahr 30 Millionen DVD-Player produziert, beinahe doppelt so viele wie im Jahr zuvor. 20 Millionen Stück wurden exportiert.
Konkurrenz im eigenen Land
Auch für den Standard selbst gibt es Konkurrenz: Der führende TV-Produzent Sichuan Changhong überlegt, ein eigenes System zu implementieren, könnte aber noch auf den EVD-Zug einschwenken.
Derzeit haben sich nur fünf von 100 Playerherstellern darauf geeinigt, EVD-Geräte zu produzieren. Im Jahr 2004 sollen bis zu 1,8 Millionen Player hergestellt werden, in den darauf folgenden Jahren drei bzw. neun Millionen.
Ein EVD-Player kostet umgerechnet bis zu 200 Euro, ein DVD-Player durchschnittlich 75 Euro. Im Jahr 1999 spendete der Staat 1,2 Millionen Euro - ein Viertel der Forschungs- und Entwicklungskosten -, um den EVD-Standard voranzutreiben. Damals wollten neun Elektronikgiganten, unter ihnen Sony und Toshiba, chinesische Hersteller dazu bringen, neun USD pro produzierten Player an Lizenzkosten abzuliefern.
Für den EVD-Standard sollen die Hersteller nur zwei Euro pro Player berappen.
Eine wichtige Rolle im Formatstreit trägt Hollywood: Weigert sich die Filmindustrie, ihre Werke im EVD-Format auszuliefern, könnte der chinesische Standard schnell zum Scheitern verurteilt sein.
