Mehr Käufer durch weniger Songs
Bei ihrer Suche nach Auswegen aus den ständig sinkenden CD-Verkäufen ist die Musikindustrie einer neuen Idee verfallen: Auf den CDs sollen weniger Songs erscheinen.
Damit meinen sie, das Interesse der Konsumenten, die sich immer mehr digital [legal und illegal] mit Musik versorgen, an ganzen Alben wieder beleben zu können.
Laut Don Ienner, Chef der US-Niederlassung von Sony Music, sind viele Künstler seit Einführung der CD dazu verleitet, diese mit Liedern zu überladen. CDs können mit einer Kapazität von 80 Minuten fast das Doppelte von Schallplatten fassen.
Der Konsument habe das Gefühl, es gebe zu viele "Fülllieder" auf den CDs, wie auch Marktforschungen beweisen sollen. Die Industrie solle sich daher darauf besinnen, den Käufern bessere Qualität zu liefern, so Ienner.
Universal versucht seit 1. Oktober in den USA mit niedrigeren CD-Preisen dem sinkenden Verkauf entgegenzusteuern. Musik-CDs werden zu einem empfohlenen Verkaufspreis von 12,98 USD über den Ladentisch gehen. Bisher lagen die US-Preisempfehlungen etwa in der Höhe von 16,98 bis 18,98 USD.
CDs werden billiger - nicht in EuropaTest: Sieben Songs um acht USD
Bereits seit längerem fordern Teile der Industrie und Musikkritiker kürzere Alben. Das Auffüllen mit unbedeutenden Songmaterial mindere den Wert des Produkts in den Augen der Käufer, so das Argument.
Die Chefs der Musiklabels fordern daher maximal zehn Songs pro CD oder weniger.
Die Idee hat bereits einige Anhänger gefunden, doch ein Problem stellen die Ansprüche der Künstler dar. Deren Honorar hängt von den CD-Preisen ab, während die Songschreiber pro Lied bezahlt werden.
Auch der Handel fordert kürzere CDs zu entsprechend günstigeren Preisen. Die US-Handelskette Wal-Mart hat alle fünf großen Musiklabels dazu gebracht, den Verkauf von Alben zu testen, die nicht mehr als sieben Songs enthalten - bei einem Preis von acht USD.
Während die Musikindustrie nach Auswegen aus dem Verkaufsdrama sucht, überbieten sich die Online-Musikdienste mit steigenden Kundenzahlen.
Kampf um den Online-MusikmarktWeniger ist mehr?
Ein Test in den 80er Jahren mit kürzeren Alben, aber zum üblichen Verkaufspreis, hat die Konsumenten mehr aufgebracht, als den Verkauf anzukurbeln.
Kürzere CDs müssten erwartungsgemäß auch mit einem geringeren Verkaufspreis einhergehen. Bisher wurde zu Preissenkungen jedoch noch nichts bekannt.
Nach Brancheninsidern sollen aber zumindest EMI und Bertelsmann solche Kurz-CDs ab 2004 anbieten wollen.
Ob weniger Songs auf den CDs automatisch die Qualität der Musik steigern und so den erhofften Verkaufsschub bringen, darf aber bezweifelt werden.
Einige Beobachter vermuten, dass, anstatt wie bisher meist üblich alle drei Jahre, die Alben einfach in immer kürzeren Abständen auf den Markt kommen werden.
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