Japans Elektronikindustrie im Aufwind
Nach dem allgemeinen Einbruch vor rund drei Jahren hat sich die japanische Elektronikindustrie wieder erholt.
Vor allem der Bereich Unterhaltungselektronik - in den vier Kategorien Digicams, TV, Navigationssysteme und DVD - erlebt wieder einen Aufschwung. Im April 2003 überholte der Umsatz in den entsprechenden Bereichen sogar den der Personal Computer.
Auch der Handy-Sektor strebt wieder nach oben und hilft mit, den gesamten Elektronikbereich anzukurbeln.
In der ersten Jahreshälfte 2003 stieg der Markt für Digicams in Japan um 58,9 Prozent. Die Umsätze im Bereich DVD-Player und -Brenner stieg um 40,6 Prozent, der für Navigationssysteme um 38,3 Prozent.
Der Markt für TV-Geräte war, wie erwartet, gemischt besetzt: Während die Umsätze bei herkömmlichen Röhrernfernsehern um nur 6,7 Prozent stiegen, konnte der LCD-TV-Markt um 40,4 Prozent wachsen.
Auch Komponentenindustrie profitiert
Diese vier Kategorien stellen mittlerweile bereits 60 Prozent des
gesamten Unterhaltungselektronik-Umsatzes dar. Dies hilft auch der
geprügelten Komponentenindustrie: Hersteller von optischen Modulen,
Bildchips oder GPS-Bauteilen konnten ebenso profitieren wie die
Speicherproduzenten, die mittlerweile bereits 20 Prozent ihrer
Produktion an die Non-PC-Industrie liefern.
Kamerahandys verdrängen DigicamsNeue Strategien für Weltmarkt
Ein Problem für die japanischen Hersteller bleibt die Fokussierung auf den heimischen Markt. Zwar werden viele Geräte auch in Übersee verkauft, allerdings mit einer gehörigen Zeitspanne - was letztlich nur dem Mitbewerb hilft. Unternehmen wie Matsushita Electric Industrial, Toshiba und Pioneer greifen nun auf die gleiche Strategie zurück, um diese Verzögerung einzudämmen.
"Künftig werden wir bereits im Entwicklungs- und Designstadium die Anforderungen des Weltmarkts berücksichtigen", fasst Fumio Ohtsubo, Manager bei Matsushita, zusammen. "Damit können wir früher bedenken, welche Regionen welche Anforderungen stellen, und dies in der Produktion berücksichtigen".
Erste Probelauf im Februar
Der erste erfolgreiche Probelauf dieser Strategie gelang Matsushita im Februar dieses Jahres, als die aktuelle DVD-Rekorder-Linie weltweit beinahe gleichzeitig auf den Markt kam. Dies soll den bisherigen Zugang japanischer Unternehmen, zuerst am Heimatmarkt zu verkaufen und erst im Falle eines Erfolges auch nach Übersee zu gehen, in punkto Profit bei weitem übertreffen. Andererseits besteht auch die Gefahr, auf riesigen Lagerbeständen sitzen zu bleiben.
Auch Handymarkt boomt
Erstmals sind auch im Handymarkt die Verkaufszahlen signifikant gewachsen. In einem gesättigten Markt, in dem 90 Prozent aller Umsätze von Ersatzgeräten kommen, wurde im Juli 2003 im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von 41,7 Prozent festgestellt.
Die Umsatzzuwächse fallen dabei höher als die Stückzahlen aus - ein Indikator dafür, dass die durchschnittlichen Handypreise steigen. Kunden greifen in ihren Ersatzkäufen zunehmend auf höherpreisige Produkte zurück. Wurden 1999 in Japan für ein Handy nur 195 Euro ausgegeben, so betrug die Summe im August 2003 bereits 230 Euro. Im kommenden Jahr soll sie gar auf 270 Euro steigen.
