Größte EU-Telekom hat Krise bewältigt
Kai-Uwe Ricke hat ein Jahr nach der Übernahme des Chefpostens bei der Deutschen Telekom den größten europäischen Telekom-Konzern aus der Krise geführt: Am Donnerstag wird er den dritten bescheidenen Quartalsgewinn in Folge vermelden.
Damit dürfte das Krisenjahr 2002 der Telekom mit dem größten Verlust in Deutschlands Firmengeschichte endgültig überwunden sein.
Bei Analysten und Investoren erntet Ricke großes Lob für seinen Job auf dem Chefsessel der Telekom. "Ich sehe bei der Telekom keine offene Flanke", sagt Torsten Achtmann, Analyst bei Deka Investment. "Er hat die Kostenreduzierung vorangetrieben, auch die gute Entwicklung des Mobilfunks, vor allem in den USA, ist seine Leistung."
Zudem habe der 42-jährige "der Versuchung widerstanden", an den Märkten "Eigenkapital zu Ausverkaufspreisen aufzunehmen". Damit hatten sich notleidende Konzerne wie France Telecom, BT und KPN saniert.
DT-Chef im ersten Jahr erfolgreichSchulden nach Expansion
Ricke setzte auf eine "Selbstheilung" des Bonner Konzerns, der nach der teuren Expansionen in die USA, Investitionen ins Systemhaus-Geschäft und infolge hoher Kosten für den UMTS-Mobilfunk einen Absturz des Aktienkurses um über 90 Prozent verzeichnet hatte.
Ausgaben und Investitionen wurden drastisch gekürzt, die Verschuldung durch Firmenverkäufe und höheren Cash Flow binnen Jahresfrist um mehr als 13 Milliarden Euro auf voraussichtlich 51 Milliarden Euro gesenkt.
Nach sechs Verlust-Quartalen unter dem langjährigen Chef Ron Sommer folgte im ersten Quartal 2003 die Rückkehr in die Gewinnzone, die Bewertungen der Rating-Agenturen stabilisierten sich. Der Aktienkurs stieg seit Rickes Amtsantritt um 20 Prozent auf nun 13,50 Euro, der Zuwachs des europäischen Branchenindex wurde um zehn Prozent übertroffen.
"Solide Kontinuität"
Zahlreiche Beobachter tun sich jedoch schwer, im Wiedererstarken der Telekom allein Rickes Führungsfähigkeiten zu erkennen. "Alle Entscheidungen, die er getroffen hat, waren eigentlich ziemlich logisch, deshalb ist es schwer, da eine eigenständige strategische Handschrift zu erkennen", sagt Hannes Wittig, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein.
Vor Rickes Berufung hatte die Interims-Führung die Vier-Säulen-Strategie [Festnetz, Mobilfunk, Systemhaus, Internet] festgezurrt und den vielfach vom Kapitalmarkt geforderten Verkauf von T-Mobile USA ausgeschlossen.
"Ricke zeichnet einfach solide Kontinuität aus", sagt ein Analyst, der ungenannt bleiben will. "Die Firmenverkäufe, die Kosteneinsparungen, der Schuldenabbau auf rund 50 Milliarden Euro und den Arbeitsplatzabbau hat sich noch Ex-Chef Ron Sommer auf die Fahnen geschrieben. Solche Dinge brauchen Zeit, Sommer hatte die nicht mehr."
