Datenüberproduktion und Infomüll
Digitale Medien und das Internet führen einerseits zu einer Explosion der weltweit produzierten und auch verfügbaren Informationsmenge, andererseits wächst insbesondere im Netz auch der "digitale Müllberg" rapide:
Sites werden nicht mehr upgedatet und bleiben mit veralteten Informationen online oder sie verlieren dadurch, dass verlinkte Sites offline gehen, ihren Bezugsrahmen und damit oft auch ihren Sinn.
Eine Studie, die Links als Fußnoten von wissenschaftlichen Arbeiten untersucht, kam jetzt zu dem Ergebnis, dass auch im akademischen Bereich nach zwei Jahren 13 Prozent der Seiten, auf die verwiesen wird, nicht mehr auffindbar sind.
Und auch die vor allem letztes Jahr gehypten Blogs bestehen nach einer aktuellen Untersuchung von Perseus Development zum Großteil aus veralteten Inhalten oder sogar nur aus einer leeren Hülle. Zwei Drittel aller Blogs waren demnach schon mindestens zwei Monate nicht aktualisiert worden, ein Viertel der Blogs ist sogar nie über die erste Eintragung hinausgekommen.
Einen Vorstoß in ein neues, "intelligenteres" Web unternimmt derzeit das World-Wide-Web-Konsortium [W3C], das für die Standards im Netz zuständig ist. Auf Vorträgen in München, Rom, London, Athen und Brüssel werben W3C-Vordenker für das "semantische Web".
Web-Erfinder für "semantisches Web"Wie der Datenberg wächst
Rund um den Globus werden unterdessen jährlich bis zu 5,4 Mrd. Gigabyte an neuen Informationen produziert. Von dieser Schätzung geht jedenfalls eine Studie der Universität von Kalifornien in Berkeley unter der Leitung von Peter Lyman aus, die sich auf das Jahr 2002 bezieht.
Statistisch gesehen produziert jeder Mensch jährlich eine Datenmenge von rund 800 MB, wenngleich dieser Wert wohl für den durchschnittlichen US-Amerikaner und Europäer deutlich höher liegen dürfte. Alleine die USA produzieren jährlich über 40 Prozent der neuen Informationsdaten, die auf magnetischen und optischen Speichermedien gesichert werden.
Digitale Bilder und Filme trugen wesentlich zum Wachstum der Datenmenge bei. Den größten Teil der jährlich produzierten Datenmenge machen aber E-Mails aus, nämlich rund 400 Mio. GB. Im Internet schwirren demnach an der Oberfläche geschätzte 170.000 GB an Information herum. Instant Messaging kommt auf 274.000 GB pro Jahr.
Demnach werden 92 Prozent der produzierten Daten auf magnetische Datenträger wie Video- und Audiokassetten, Floppy-Disc, Zip und Festplatten gespeichert. Auf Festplatten wurden um 114 Prozent mehr Informationen gesichert als noch 1999. Die optischen Medien CD, CD-ROM [plus 57 Prozent] und DVD [plus 99 Prozent] holen aber dank CD- und DVD-Brennern rasch auf.
Die StudieLink-Ablaufdatum
Dem rapide wachsenden Datenberg und dem wachsenden "Müllanteil" stehen andererseits Probleme mit der "Haltbarkeit" von Links gegenüber, die verweisende Sites unbrauchbar machen können:
Eine aktuelle Studie hat "verschwundene Fußnoten" in wissenschaftlichen Arbeiten untersucht, weil diese immer häufiger auf Online-Quellen verweisen. Für ihre Studie untersuchten der Mediziner Robert P. Dellavalle von der University of Colorado und sein Team Literaturnachweise von mehr als 1.000 Artikeln des "New England Journal of Medicine" ["NEJM"], des "Journal of the American Medical Association" ["JAMA"] und von "Science", die zwischen 2000 und 2003 veröffentlicht wurden.
Die Resultate, die sie nun in "Science" vorgestellt haben: 2,6 Prozent aller Fußnoten bezogen sich auf das Internet, gut 13 Prozent davon waren knapp zwei Jahre nach der Veröffentlichung nicht mehr aktiv - waren also nicht mehr nachzuvollziehen und führten zu Fehlermeldungen aller Art.
Das von Dellavalle und Kollegen untersuchte Phänomen betrifft ein Hauptmerkmal des Internets als dynamisches Medium: Einerseits werden nach neuesten Schätzungen täglich sieben Millionen neue Webseiten geschaffen, andererseits verschwinden oder verändern sich auch andauernd ihre eindeutig zuordenbaren Adressen. Literaturhinweise, die dadurch unauffindbar werden, bedrohen die Seriosität wissenschaftlicher Arbeit.
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