SAP will in den USA aggressiv wachsen
Der deutsche Softwarekonzern SAP richtet sein Augenmerk 2004 besonders auf den hart umkämpften US-Markt und will seine führende Position dort noch weiter ausbauen.
"Wachstum steht in den USA ganz vorne auf unserer Liste", sagte Vorstandssprecher Henning Kagermann in einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" [Samstagausgabe]. Wie schon in diesem werde das Geschäft mit betriebswirtschaftlicher Software von SAP dort auch im nächsten Jahr mit "guten zweistelligen" Wachstumsraten zulegen und damit stärker als die Gruppe insgesamt.
Ziel sei ein relativer Marktanteil von über 40 Prozent im Vergleich der fünf größten Wettbewerber, bekräftigte Kagermann frühere Aussagen; derzeit liege der Anteil bei 35 Prozent. Der SAP-Chef hatte für 2004 zuletzt einen spürbaren Aufschwung auf dem Softwaremarkt prognostiziert und Investitionen angekündigt. Das vierte Quartal 2003 werde aber schwierig bleiben.
Übernahmeschlacht "ziemlich egal"
Nachhaltige Gefahr für das eigene Geschäft sieht Kagermann weder
durch die Übernahmeschlacht zwischen den US-Firmen Oracle und
PeopleSoft noch durch den angekündigten Angriff von Microsoft auf
den Mittelstandmarkt. "Salopp gesagt: Es ist mir eigentlich ziemlich
egal", antwortete Kagermann auf die Frage nach dem Ausgang des
Tauziehens um Peoplesoft. "Weder ein Erfolg noch ein Misserfolg von
Oracle wird die Softwarewelt maßgeblich verändern."
SAPPreisdruck lastet auch auf SAP
Kurzfristig leide SAP allerdings unter dem Preisdruck, den die aggressive Strategie von Peoplesoft verursacht habe. In den vergangenen Monaten habe SAP dem Druck nachgegeben und sei damit im dritten Quartal erfolgreich gewesen, sagte Kagermann. "Sich nur vornehm zurückzuhalten schadet mehr als es nützt."
Eigene Zukäufe im kleineren Stil schließt Kagermann nicht aus. "Wir schauen uns permanent am Markt um. Wenn es Sinn macht, wenn es eine Lücke im Portfolio schneller schließt, werden wir auch weiterhin arrondieren", sagte er der Zeitung.
Kritisch äußerte sich der SAP-Chef zu den Personalkosten in Deutschland. "Ja. Deutschland ist zu teuer", sagte er. Die Verlagerung von 1000 Entwicklern nach Indien könne die operative Marge um einen Prozentpunkt steigern.
