Herold-CD weiter verschoben
Die umstrittene Daten-CD der Firma Herold, auf der so genannte Tiefendaten von rund zwei Millionen Österreichern zum Kauf angeboten werden sollen, wird so schnell nicht zu haben sein.
Das Ermittlungsverfahren sei zwar bereits in der Zielgeraden, sagte Waltraut Kotschy, geschäftsführendes Mitglied der Datenschutzkommission, auf Anfrage der fuzo.
Dennoch werde es noch etwas dauern, bis die Kommission zu einem abschließenden Urteil über die Kompatibilität des Herold-Vorhabens mit den österreichischen Datenschutzgesetzen kommen könne, der Rahmen dafür betrage "mehrere Wochen".
Herold und die Tiefendaten
So genannte Tiefendaten sind etwa Haushaltsgröße, Partnerschaft,
Kaufkraft, Altersklasse, Gebäudeart und Kinderzahl, die mit den
Stammdaten der jeweiligen Person verknüpft werden. Laut Angaben von
Herold ist eine Suchmöglichkeit direkt nach dem Namen einer Person
nicht [mehr] vorgesehen, die Daten würden vielmehr nach Regionen
heruntergebrochen. Das ändert nichts daran, dass am Ende Namen und
Adresse einer Person kombiniert mit den oben genannten Tiefendaten
ausgeworfen und verkauft werden.
Verkauf der Herold-CD gestopptNicht "Einkommen", nur "Kaufkraft"
"Einige tausend" Österreicher hätten sich seit dem Bekanntwerden der Pläne des österreichischen Telefonbuchverlags bereits aus der Datenbank streichen lassen, bestätigte Margit Kaluza, Pressesprecherin des Verlags.
Das tue der Repräsentativität des Vorhabens jedoch keinen Abbruch, angesichts der Gesamtzahl der Datensätze lägen die Abmeldungen ja immer noch "im Promillebereich".
Ansonsten sei man "sehr betroffen", so ins Kreuzfeuer der Kritik geraten zu sein, sagte Kaluza, wobei viel Falschinformation im Umlauf sei.
So sei in vielen Medien fälschlich zu lesen gewesen, die CD werde Informationen über das Einkommen von Privatpersonen enthalten, während tatsächlich die Kaufkraft der Person angegeben werde, also etwas "völlig anderes". Die von Partner dm-plus bezogenen Datensätze würden denn auch nicht mit "unseren Daten aus dem Telefonbuchbereich verknüpft", so Kaluza weiter.
Herolds Schweizer Datenlieferant dm-plus bietet personenbezogene Tiefendaten von Schweizer Staatsbürgern bereits online zum Kauf an. Das Unternehmen wirbt mit dem Slogan:
"Wir geben den Märkten Gesichter."Nicht für Detektive
Überdies werde die CD keinesfalls in den Handel kommen - wie auch gemeldet worden war -, sondern ausschließlich von Herold selbst vertrieben werden.
Und zwar ausschließlich an Marketing-Unternehmen zu Zwecken des Marketings - Detektive etwa werde man nicht beliefern. Warum auch - "ich wüsste nicht was man mit diesen Daten sonst anfangen könnte", so Kaluza.
Und Journalisten? Zeitungsverlage werde man natürlich beliefern, denn die brauchten ja diese Daten für ihre Geschäftspolitik, sagte die Herold-Pressesprecherin.
Herold Kandidat für "Big Brother Award"
Herold gilt als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die
"Big Brother Awards Austria 2003", die am Sonntag vergeben werden.
Die Nominierten
