24.10.2003

UMSTRITTEN

Herold-CD weiter verschoben

Die umstrittene Daten-CD der Firma Herold, auf der so genannte Tiefendaten von rund zwei Millionen Österreichern zum Kauf angeboten werden sollen, wird so schnell nicht zu haben sein.

Das Ermittlungsverfahren sei zwar bereits in der Zielgeraden, sagte Waltraut Kotschy, geschäftsführendes Mitglied der Datenschutzkommission, auf Anfrage der fuzo.

Dennoch werde es noch etwas dauern, bis die Kommission zu einem abschließenden Urteil über die Kompatibilität des Herold-Vorhabens mit den österreichischen Datenschutzgesetzen kommen könne, der Rahmen dafür betrage "mehrere Wochen".

Nicht "Einkommen", nur "Kaufkraft"

"Einige tausend" Österreicher hätten sich seit dem Bekanntwerden der Pläne des österreichischen Telefonbuchverlags bereits aus der Datenbank streichen lassen, bestätigte Margit Kaluza, Pressesprecherin des Verlags.

Das tue der Repräsentativität des Vorhabens jedoch keinen Abbruch, angesichts der Gesamtzahl der Datensätze lägen die Abmeldungen ja immer noch "im Promillebereich".

Ansonsten sei man "sehr betroffen", so ins Kreuzfeuer der Kritik geraten zu sein, sagte Kaluza, wobei viel Falschinformation im Umlauf sei.

So sei in vielen Medien fälschlich zu lesen gewesen, die CD werde Informationen über das Einkommen von Privatpersonen enthalten, während tatsächlich die Kaufkraft der Person angegeben werde, also etwas "völlig anderes". Die von Partner dm-plus bezogenen Datensätze würden denn auch nicht mit "unseren Daten aus dem Telefonbuchbereich verknüpft", so Kaluza weiter.

Nicht für Detektive

Überdies werde die CD keinesfalls in den Handel kommen - wie auch gemeldet worden war -, sondern ausschließlich von Herold selbst vertrieben werden.

Und zwar ausschließlich an Marketing-Unternehmen zu Zwecken des Marketings - Detektive etwa werde man nicht beliefern. Warum auch - "ich wüsste nicht was man mit diesen Daten sonst anfangen könnte", so Kaluza.

Und Journalisten? Zeitungsverlage werde man natürlich beliefern, denn die brauchten ja diese Daten für ihre Geschäftspolitik, sagte die Herold-Pressesprecherin.