Warten auf den Aufschwung
Seit dem Platzen der "New-Economy-Blase" zu Beginn des Jahres 2000 ist immer wieder die Rede davon, dass "die Talsohle in der IT- und Telekom-Branche durchschritten ist".
Ein genauer Blick auf aktuelle Unternehmens- und Branchenzahlen kann diese Hoffnung aber nur teilweise bestätigen. So betonte erst vor wenigen Tagen der deutsche Branchenverband Bitkom, dass sich der deutsche und westeuropäische Markt langsamer von seiner Talfahrt erhole als bisher erwartet.
Für Deutschland erwartet die Bitkom für heuer ein Nullwachstum, Mitte Juli hatte der Verband noch ein Wachstum von bestenfalls 0,5 Prozent in Aussicht gestellt. Ende 2002 hatte Bitkom-Vizechef Jörg Menno Harms anlässlich der Eröffnung der Fachmesse Systems noch zuversichtlich gemeint: "Wir dürfen jetzt nicht den Fuß vom Gaspedal nehmen."
Aufschwung erst 2004
Auch die weltweiten Branchenführer haben bereits die rosa Brille
abgesetzt: Der weltgrößte Satellitenkonzern und Astra- Betreiber SES
Global rechnet nach einem weiteren Rückgang bei Umsatz und Gewinn in
diesem Jahr erst für 2004 mit einem Aufschwung.
Münchner Systems eröffnetZu Jahresanfang bewusst optimistisch
Dabei hatte sich die Branche und die Politik noch vor der weltgrößten Computermesse CeBIT im Frühjahr 2003 bewusst optimistisch gegeben. "Der Prozess der Konsolidierung der Branche mit durchaus guten und seriösen Wachstumsraten ist eingeleitet und wird erfolgreich sein", prognostizierte der deutsche Regierungschef Gerhard Schröder bei einem Rundgang über die CeBIT. "Die Informations- und Kommunikationsindustrie ist nicht tot", assistierte Siemens-Vorstand und Bitkom-Präsident Volker Jung.
Dieser meinte wenige Monate zuvor gar, dass die Branche im Jahr 2003 wieder mit ähnlich starkem Wachstum wie vor dem Konjunktureinbruch rechne, ein Wachstum von 8,6 Prozent sei möglich.
Nokias Konzernchef Jorma Ollila erklärte auf der CeBIT 2003, dass sein Unternehmen mit einem Aufschwung im zweiten Quartal 2003 rechnet. Bis heute ist Nokia mit keinem UMTS-Handy in Österreich vertreten. Gleiches gilt auch für Mitbewerber Ericsson, der zumindest bei den Prognosen sehr zurückhaltend war. "Wir glauben nicht, dass sich der Markt verschlechtert hat, aber die Marktschwäche hält länger an. Es ist möglich, dass es im nächsten Jahr nicht aufwärts geht", so Ericsson-Chef Kurt Hellström bereits vor einem Jahr.
Keine Trendwende am IT-SektorZumindest für die Zukunft ist die Branche weiter optimistisch: In Westeuropa sollen - laut Bitkom-Prognosen - die Umsätze 2004 um 3,1 Prozent steigen.
