08.10.2003

WHIT DIFFIE

Ein Kryptographie-Guru als Optimist

"Homeland Security" und Überwachungs-Overkill, biometrische Daten auf Funkchips und allgegenwärtiges Data-Mining - Whitfield Diffie lässt sich dadurch nicht erschüttern.

Der Erfinder der Public-Key-Kryptographie und langjährige Sicherheitsschef von Sun Microsystems zeigte sich im fuzo-Gespräch vielmehr sicher, dass die nähere Zukunft keinen totalen Überwachungsstaat bringen werde.

Was den Krypto-Guro optimistisch stimmt, ist vorrangig die Tatsache, dass die Zivilgesellschaft dem militärischen Komplex den ersten Rang im Gebrauch von Verschlüsselung bereits abgelaufen habe.

Die Bausteine der Privatsphäre

Bis zur Jahrtausendwende hatten sich die US-Nachrichtendienste, allen voran die NSA [National Security Agency], erbittert gegen die Verbreitung sicherer Verschlüsselungsprogramme gewehrt, waren aber gegenüber den Anforderungen des internationalen E-Commerce, der nun einmal auf sicherer Verschlüsselung beruht, erfolglos geblieben.

Was Standards, Algorithmen und Krypto- Applikationen betreffe, meint Diffie, seien die Bausteine für die Wahrung der Privatsphäre in der fortgeschrittenen Informationsgesellschaft vorhanden. Was noch fehle, sei die "Public-Key-Infrastruktur".

"Widerstand zwecklos"

Für den Aufbau eines globalen Systems zum Austausch der individuellen Schlüssel seien zwar noch enorme Anstrengungen nötig, doch dass es kommen werde, sei unvermeidlich.

Dass Widerstand gegen diese ökonomisch-technische Entwicklung zwecklos sei, hätten auch die meisten Nachrichtendienste inwischen kapiert und akzeptiert.

Der erste zivile Kryptograph

Diffie war einer der ersten US-Kryptographen überhaupt, die ihr Fachgebiet abseits des Militärs, nämlich auf eigene Faust erforschten.

Sein bereits 1975 formulierter und ebenso simpler wie genialer Ansatz der "asymmetrischen Verschlüsselung" löste ein altes, als unlösbar geltendes Problem der Kryptographie: die sichere Authentifizierung und Übermittlung der jeweiligen Schlüssel zweier Personen bei ihrem Erstkontakt.

Die von Diffie gemeinsam mit Martin Hellman entwickelte Methode setzte Phil Zimmermann Jahrzehnte später in seinem berühmt gewordenen Programm "Pretty Good Privacy" um.