Immer mehr verfallen der SMS-Sucht
23 Prozent der österreichischen Handybesitzer versenden mindestens ein Mal täglich eine SMS. Bei Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren sind es 63 Prozent, bei den Zehn- bis 14-Jährigen sogar 90 Prozent.
Doch diese in den letzten Jahren populär gewordene Kommunikationsform kann auch zur krankhaften Sucht werden.
Davor warnt der Psychiater Mark Collins von der noblen britischen Priory Clinic, in der die Reichen und Berühmten bevorzugt ihre Drogen-, Sex- und Glückspielsüchte behandeln lassen, im "Sunday Telegraph".
Der deutsche Psychologe Andreas Herter behandelt bereits seit 1998 Menschen, die dem Verschicken und Empfangen von SMS verfallen sind: "Ich kenne den Fall eines Ehepaars, das sich im Wohnzimmer gegenübersitzt und dennoch beinahe ausschließlich per SMS kommuniziert."
350.000 Deutsche sind SMS-süchtigSMS-Junkies tippen sieben Std. täglich
Demnach verzeichnete die Klinik während der letzten 18 Monate einen rasanten Zuwachs dieser Verhaltensstörung. Manche Patienten verbringen bis zu sieben Stunden täglich mit dem Tippen von Kurznachrichten.
Im Extremfall leiden die Patienten neben der psychischen Abhängigkeit auch an dem RSI-Syndrom [Repetitive Strain Injury], einer Erkrankung der Arme und Hände, die durch jahrlange wiederholte Bewegungen wie Tastatureingaben entstehen kann.
Das sei nur eine Variante der Technologie-Sucht. "Viele Leute schauen auf Alkoholiker oder Kokainsüchtige herab, aber gehen dann fünf Stunden ins Internet-Cafe, um zu chatten", so Collins.
Sucht ist nicht gleich Sucht
Doch Kinderpsychiater Mark Berelowitz warnt vor Übertreibungen: "Das Wort 'süchtig' ist in diesem Zusammenhang wohl nicht ganz passend, sonst risikieren wir echte Süchte wie die Heroinabhängigkeit zu trivialisieren."
