Große Pläne für P2P-Telefonie
Mit der Produktion einer P2P-Telefoniesoftware hat das Team um die Gründer der Online-Tauschbörse KaZaAa vor wenigen Monaten erst für Erstaunen, dann für Entzücken gesorgt.
Die Software ist zwar noch im Beta-Stadium, funktioniert aber bereits gut. Und die Betreiber von "Skype" - so der Name des neuen Angebots - haben hoch gesteckte Ziele.
"Wir wollen Skype zur Telefongesellschaft der Zukunft machen", sagt der schwedische Firmenchef Niklas Zennstrom in der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die Technik der traditionellen Telefonnetze sei mehr als 100 Jahre alt und einfach nicht flexibel genug.
Bisher können die Skype-Nutzer nur untereinander telefonieren - sofern Mikrofon und Lautsprecher an ihren PC angeschlossen sind. Längerfristig wollen Zennstrom und sein estnischer Partner Janus Friis es aber auch möglich machen, reguläre Festnetz- und Mobilanschlüsse über Skype zu erreichen.
Gespräche werden verschlüsselt
Die Software - zurzeit ist die Version 0.93 aktuell - kann bisher
nur auf einem Computer mit Windows 2000 oder XP installiert werden.
Für die Internet-Verbindung reicht bereits ein Modem - für eine
anständige Sprachqualität sollten Skype-Nutzer aber mit ISDN oder
noch besser mit DSL ins Netz gehen. Damit die Vertraulichkeit
privater Gespräche bewahrt bleibt, werden die Daten automatisch
verschlüsselt.
SkypeGute Klangqualität
Disc-Jockeys des estnischen Radiosenders Kuku haben Skype bereits für Live-Interviews mit Hörern verwendet. Sie sind zufrieden: "Die Klangqualität ist annähernd so gut wie die am Telefon."
Als Hauptnachteil des Systems nennt Viik die begrenzte Teilnehmerzahl - auch wenn der Download-Zähler von Skype seit dem Start am 29. August bereits die Marke von einer Million überschritten hat.
"Ich glaube nicht, dass dies den regulären Telefondienst ersetzen kann. Aber es könnte eine Nischenfunktion erfüllen, etwa für Niederlassungen eines Unternehmens."
P2P-Netzwerke statt zentrale Server
Skype funktioniert nach dem P2P-Prinzip - es gibt keinen
zentralen Server, die angeschlossenen Rechner übernehmen dezentral
die Selbstverwaltung. Sie ermitteln den jeweils kürzesten und
schnellsten Weg der Übertragung, um eine möglichst hohe Qualität zu
gewährleisten.
VoIP von KaZaA-Gründern erfolgreichKonferenzen bald möglich
Die Software soll nach Angaben Zennstroms so weiterentwickelt werden, dass auch Telefonkonferenzen mehrerer Teilnehmer möglich werden.
Die Basisversion des Programms soll weiter kostenlos abgegeben werden. Die Firma plant jedoch auch eine kostenpflichtige Version mit zusätzlichen Funktionen.
Zennstrom und Friis kamen 2001 mit KaZaA heraus, das bisher rund 300 Millionen Mal heruntergeladen wurde. Unter der Drohung juristischer Schritte gegen die Verwendung von KaZaA für den Austausch urheberrechtlich geschützter Musik verkauften die beiden ihre Rechte im vergangenen Jahr an ein australisches Unternehmen.
