Informationssysteme für Behinderte
"Ich bin seit meiner Geburt körper- und sprachbehindert. Aus diesem Grund begleitete mich der Fortschritt der Technik schon seit Kindesbeinen an."
Mit diesen Worten stellt sich Andreas Dendl vor, wenn er in Vorträgen über die Bedeutung unterstützender Technologien für behinderte Menschen spricht - oder besser gesagt: die Computerstimme für sich sprechen lässt. Dendl kann nicht sprechen, er sitzt im Rollstuhl und ist in seiner Bewegungsfähigkeit sehr eingeschränkt.
Mit Hilfe des an der TU Wien entwickelten technischen Assistenzsystems "Autonom" ist es ihm heute möglich, verbal zu kommunizieren, Elektrogeräte wie Fernseher undStereoanlage zu bedienen, via E-Mail mit seiner Außenwelt in Kontakt zu treten und sein Informatikstudium zu betreiben.
Seinen Computer steuert er mit dem Fuß. Um einen Buchstaben, ein Wort oder ein Symbol auszuwählen, muss er seinen Fußschalter betätigen, wenn am Bildschirm der laufende Rahmen am richtigen Befehlsteil steht.
AutonomOrienta
In naher Zukunft könnten Blinde ohne fremde Hilfe gezielt durch unbekannte Städte spazieren.
Diese neue Unabhängigkeit verspricht das Navigationssystem "Orienta", das von der Europäischen Weltraumbehörde [ESA] in Zusammenarbeit mit internationalen Firmen und der spanischen Blindenorganisation ONCE entwickelt wurde.
Basierend auf einem Pocket-PC mit Positionsbestimmung via Satellit sollen blinde Menschen bis auf zwei Meter exakt ihren Standort bestimmen und zu einer beliebigen Adresse finden können.
Neu an "Orienta" ist die Adaption des konventionellen GPS-Systems für blinde Menschen. Die Software, die bei ONCE gratis erhältlich ist, wurde für eine Art Notetaker für Blinde namens Sonobraille entwickelt. Von kommerziellen Firmen stammen die Navigationskarten und das System für die Sprachausgabe. Matrix hat das GPS-System für Blinde in Madrid getestet.
Orienta - Navigation mit HindernissenGenauigkeit erhöht
Während die Autoindustrie mit Kartenmaterial um seine Kunden wirbt, die eine Position mit Hilfe von GPS auf unter fünf Meter feststellen kann, bleibt man bei ONCE realistisch. Alle zehn Meter kann der Standort einer Person neu berechnet werden.
Derart ungenaues Datenmaterial eignet sich allerdings nicht dafür, Menschen ohne Sehvermögen alleine durch die Straßen navigieren zu lassen. Es hilft Blinden relativ wenig, wenn sie nicht feststellen können, ob sie sich auf der linken oder rechten Straßenseite befinden. Das war auch mit ein Grund, warum sich die Entwickler von ONCE mit der ESA zusammensetzten.
Deren Wissenschaftler schufen EGNOS, das '"European Geostationary Navigation Overlay Service", und deren Pressestelle verkündete stolz, dass damit ein GPS-Signal auf eine Genauigkeit von zwei Metern korrigiert werden kann.
Die "Matrix"-Sendung von Sonntag fand im Rahmen des Ö1-Schwerpunkts "Ohne Barrieren. Neue Wege für Menschen mit Behinderung" statt.
Matrix
