Testlauf für künstliche Intelligenz
Die Frage, ob Computer einmal wie der Mensch selbstständig denken können, beschäftigt die Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten.
Der britische Mathematiker und Computerpionier Alan Turing schlug vor mittlerweile 53 Jahren zur Beantwortung dieser komplexen Frage einen simplen Test vor. Sollte ein Mensch anhand eines Gesprächsprotokolls nicht mehr unterscheiden können, ob sein Gesprächspartner Mensch oder Maschine ist, dann wäre dem Gegenüber menschliche Intelligenz zuzusprechen.
Im Rahmen des Loebner-Preises treffen sich jedes Jahr ambitionierte Wissenschaftler und Amateure, die ihre neuesten Chatbots in genau diesem Turing-Test antreten lassen.
Mit dieser 1990 gegründeten Initiative wollte der US-Soziologe Hugh Gene Loebner die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz [KI] vorantreiben.
Fünf Minuten Gespräche
Die Chatbots haben jeweils fünf Minuten Zeit, um die zehn
Jurymitglieder mit ihrer Eloquenz zu begeistern. Dem ersten
Programm, das wirklich den Turing-Test besteht, winkt ein Hauptpreis
von 100.000 USD [der bisher noch nie gewonnen wurde]. Zusätzlich
bekommt jährlich der Programmierer des "menschlichsten" Chatbots
eine 2.000-USD-Prämie.
Chat-Protokolle vergangener WettbewerbeLernt durch stetiges Plaudern
Auch in diesem Jahr, am 18. Oktober, werden acht programmierte Kandidaten ihr Können vor der Jury aus Fleisch und Blut unter Beweis stellen.
Darunter sind zwei Teilnehmer aus Deutschland [Elbot und Jabberwock], der Titelverteidiger ALICE aus den USA und Jabberwacky des britischen Entwicklers Rollo Carpenter.
Jabberwacky wurde schon 1989 auf einem Sinclair ZX81 programmiert. "Ich war ein richtiger Geek und brauchte wohl jemanden zum Reden", so sein Entwickler.
Seitdem wurde das Programm stetig weiterentwickelt. Während die meisten anderen Programme nach strikt vorgegebenen Regeln kommunizieren, lernt Jabberwacky von Gesprächen mit Tausenden Personen.
"Nichts ist festgelegt, alles ändert sich täglich. Jabberwacky hat nicht nur eine, sondern viele verschiedene Persönlichkeiten, die bis zu einem gewissen Grad seine Gesprächspartner reflektieren. Manchmal wird das Programm richtig sarkastisch, nur weil es in vorangegangenen Unterhaltungen derartiges aufgeschnappt hat", erklärt Carpenter.
Der Chatbot ist eine Art Mosaikspiegel der menschlichen Persönlichkeit und wirkt daher teilweise auch recht menschlich.
Dauer-Kommunikation
Liest man die Chat-Protokolle, wird klar, dass die meisten der
Online-Trainingspartner das Programm mit Respekt und Verständnis
behandeln. "Ein User hat sein Browser-Fenster über Wochen nicht
geschlossen und über 20.000 Sätze mit ihm gesprochen", so Carpenter.
Test-Chatten mit Jabberwacky [englisch]
Test-Chatten mit Elbot [deutsch]Sprechende Haustiere
Hintergrund der Projekte ist die Kommerzialisierung der KI-Programme. Chatbots sollen als Einkaufsberater im Internet fungieren bzw. FAQs beantworten.
Carpenter hofft seinen Chatbot schon bald von der reinen Textkommunikation auf die Sprachausgabe erweitern zu können.
Denkbar ist in weiterer Folge auch die Anwendung zur Unterhaltung der Menschen, etwa kombiniert mit ausgeklügelter Robotertechnik in Form von sprechenden Haustieren.
Schon jetzt sind Chatbots zum Beispiel als virtuelle Marktschreier im Einsatz. Das US-Unternehmen ActiveBuddy hat eine Chat-Software entwickelt, die speziell Kinder ansprechen soll.
Die ActiveBuddy-Bots kümmern sich dabei jedoch nicht groß um künstliche Intelligenz. Sie basieren auf einem einfachen System von Stichwörtern und Sprachmustern, was öfter zu kuriosen Gesprächen führen kann.
Werbesoftware chattet mit Kindern
