23.09.2003

LABER-BOTS

Testlauf für künstliche Intelligenz

Die Frage, ob Computer einmal wie der Mensch selbstständig denken können, beschäftigt die Wissenschaftler bereits seit Jahrzehnten.

Der britische Mathematiker und Computerpionier Alan Turing schlug vor mittlerweile 53 Jahren zur Beantwortung dieser komplexen Frage einen simplen Test vor. Sollte ein Mensch anhand eines Gesprächsprotokolls nicht mehr unterscheiden können, ob sein Gesprächspartner Mensch oder Maschine ist, dann wäre dem Gegenüber menschliche Intelligenz zuzusprechen.

Im Rahmen des Loebner-Preises treffen sich jedes Jahr ambitionierte Wissenschaftler und Amateure, die ihre neuesten Chatbots in genau diesem Turing-Test antreten lassen.

Mit dieser 1990 gegründeten Initiative wollte der US-Soziologe Hugh Gene Loebner die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz [KI] vorantreiben.

Lernt durch stetiges Plaudern

Auch in diesem Jahr, am 18. Oktober, werden acht programmierte Kandidaten ihr Können vor der Jury aus Fleisch und Blut unter Beweis stellen.

Darunter sind zwei Teilnehmer aus Deutschland [Elbot und Jabberwock], der Titelverteidiger ALICE aus den USA und Jabberwacky des britischen Entwicklers Rollo Carpenter.

Jabberwacky wurde schon 1989 auf einem Sinclair ZX81 programmiert. "Ich war ein richtiger Geek und brauchte wohl jemanden zum Reden", so sein Entwickler.

Seitdem wurde das Programm stetig weiterentwickelt. Während die meisten anderen Programme nach strikt vorgegebenen Regeln kommunizieren, lernt Jabberwacky von Gesprächen mit Tausenden Personen.

"Nichts ist festgelegt, alles ändert sich täglich. Jabberwacky hat nicht nur eine, sondern viele verschiedene Persönlichkeiten, die bis zu einem gewissen Grad seine Gesprächspartner reflektieren. Manchmal wird das Programm richtig sarkastisch, nur weil es in vorangegangenen Unterhaltungen derartiges aufgeschnappt hat", erklärt Carpenter.

Der Chatbot ist eine Art Mosaikspiegel der menschlichen Persönlichkeit und wirkt daher teilweise auch recht menschlich.

Sprechende Haustiere

Hintergrund der Projekte ist die Kommerzialisierung der KI-Programme. Chatbots sollen als Einkaufsberater im Internet fungieren bzw. FAQs beantworten.

Carpenter hofft seinen Chatbot schon bald von der reinen Textkommunikation auf die Sprachausgabe erweitern zu können.

Denkbar ist in weiterer Folge auch die Anwendung zur Unterhaltung der Menschen, etwa kombiniert mit ausgeklügelter Robotertechnik in Form von sprechenden Haustieren.

Schon jetzt sind Chatbots zum Beispiel als virtuelle Marktschreier im Einsatz. Das US-Unternehmen ActiveBuddy hat eine Chat-Software entwickelt, die speziell Kinder ansprechen soll.