Musikindustrie klagt nächste Tauschbörse
Nachdem die Musikindustrie mit Klagen gegen die Tauschbörsen Morpheus und Grokster im Frühjahr dieses Jahres keinen Erfolg hatte, hat sie nun Klage gegen die P2P-Börse iMesh eingereicht.
Die Recording Industry Association of America [RIAA] beschuldigt iMesh mit Schuld an massiven Verletzung von Copyrights durch die User der P2P-Börse zu haben.
Nachdem US-Gerichte entschieden hatten, dass die P2P-Betreiber für das illegale Online-Tauschen von Songs nicht zur Rechenschaft gezogen werden können, verlagerte die RIAA ihre Anstrengungen und reichte 261 Klagen gegen einzelne User ein.
Doch nun scheint sie auch den Kampf gegen die Betreiber wieder aufgenommen zu haben.
Aufgrund des bestehenden Urteils in Bezug auf Grokster stehen die juristischen Chancen jedoch schlechter als bei den Fällen zuvor. Die RIAA hat gegen das Grokster-Urteil Berufung eingelegt, mit dem Argument, dass dieses sich mit Urteilen gegen Napster oder Aimster nicht decke.
US-Urteil: Tauschbörsen sind legal"Es gibt keinen schlechten Zeitpunkt"
RIAA-Präsident Cary Sherman sagte, dass seit der 261 Klagen gegen Privatpersonen die Erkenntnis steigt, dass der Tausch von Musik über das Netz reale Konsequenzen haben kann. Die Leute würden zweimal darüber nachdenken bevor sie damit anfangen.
In den Augen der RIAA sind jedoch auch die Betreiber für das illegale Treiben in ihren Börsen haftbar. IMesh seinerseits verweist auf das Urteil vom April.
Auf die Frage warum die Klage erst jetzt eingereicht wird, erwiderte die RIAA, es gebe keinen schlechten Zeitpunkt um die Rechte ihrer Mitglieder durchzusetzen.
IMesh zeige durch sein Verhalten und öffentliche Statements, dass es zum illegalen Datentausch ermuntere. Mit der Klage wolle man klarstellen, dass es für Copyright-Verletzungen keinen Freipass geben werde, so die RIAA in einer Stellungnahme.
IMesh nutzt wie KaZaA oder Grokster das FastTrack-Netzwerk. In den letzten Monaten verzeichnete die Tauschbörse vermehrten Zugriff.
iMeshKlagen zeigen geringe Auswirkungen
Laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen/Netratings sind die Userzahlen der Tauschbörsen in den letzten Wochen nur geringfügig gesunken.
Nachdem die RIAA am Montag vergangener Woche 261 Klagen eingereicht hatte, seien die KaZaA-Userzahlen in den USA mit 4,23 Millionen in der vergangenen Woche um nur fünf Prozent unter den 4,47 Millionen der Woche davor gelegen, so die Studie.
Bei den Anbietern Morpheus, iMesh and BearShare sind die Nutzungszahlen in der Zeit demnach konstant geblieben.
Seit dem Beginn der Kampagne der RIAA im Juni sei die Popularität von KaZaA jedoch um 40 Prozent zurückgegangen.
Die Musikindustrie scheint sich ihrerseits auf einen längeren Kampf einzurichten. "Das ist eine Langzeit-Kampagne und wir werden weitermachen, bis die Nachricht verstanden wird", so ein Sprecher. Auf lange Sicht wolle man die Kunden an Bezahlsysteme wie Apples iTunes heranführen.
RIAA-Klagen als Drahtseilakt
