CD-Preisdiktat soll Piraterie eindämmen
Nachdem ein Appell des malaysischen Ministers für Konsumentenschutz an die Medienindustrie, die Preise für CDs, VCDs und DVDs freiwillig zu senken, wirkungslos verhallte, macht die Regierung jetzt ihre Drohung teilweise wahr und reguliert den Markt für Musik- und Film-CDs mit dem "Price Control Act".
Mit dieser Maßnahme soll der Piraterie der finanzielle Anreiz entzogen und so die weitere Verbreitung von Raubkopien in Malaysia begrenzt werden: "Wenn es sich die Leute wieder leisten können, Originale zu kaufen, müssen sie nicht mehr auf billige Raubkopien zurückgreifen", argumentiert ein Sprecher des Handelsministeriums.
Bisher wurde in Malaysia nur die Preisgestaltung von Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Gütern von staatlicher Seite reguliert. Die Rechteinhaber halten von einer Preissenkung unterdessen naturgemäß recht wenig.
Ab Jänner 2005 dürfen in Malaysia produzierte Musik-CDs lokaler Künstler höchstens 21 Ringgit [4,7 Euro], die von ausländischen Musikern höchstens 29 Ringgit [6,5 Euro] kosten. Lokal produzierte Video-CDs dürfen nur noch 14 Ringgit [rund drei Euro] kosten. DVDs und Import-CDs sind von der Regelung allerdings nicht betroffen.
Minister ruft zum CD-Boykott aufTest in den USA
Preissenkungen werden von Kritikern der Musikindustrie schon seit Jahren als adäquates Mittel gegen den Raubkopier-Boom und Umsatzeinbußen empfohlen.
Die Industrie nähert sich dem Ansatz allerdings nur vorsichtig oder wie in Großbritannien unfreiwillig.
Der größte Musikkonzern der Welt, die Universal Music Group, will jetzt aber das Musikgeschäft in den USA durch eine Preissenkung ankurbeln.
Ab 1. Oktober sollen Musik-CDs zu einem empfohlenen Verkaufspreis von 12,98 USD über den Ladentisch gehen. Bisher lagen die US-Preisempfehlungen etwa in Höhe von 16,98 bis 18,98 USD.
Die generelle Preissenkung der Universal Music Group wird aber für österreichische CD-Käufer keinerlei Auswirkungen haben.
CDs werden billiger - nicht in EuropaBeispiel Großbritannien
In Großbritannien hat sich ein regelrechter Preiskampf auf dem Musikmarkt entwickelt, nachdem Supermarktketten wie Tesco und Asda ins CD-Geschäft eingestiegen sind.
Im größten Musikmarkt Europas und dem drittgrößten nach den USA und Japan wurden danach innerhalb eines Jahres mehr Alben verkauft als je zuvor. Über 228 Millionen Alben gingen zwischen Juni 2002 und Juni 2003 über die britischen Ladentheken - drei Prozent mehr als im Jahr davor.
Laut den Zahlen der British Phonographic Industry [BPI] konnte man bereits das fünfte Jahr in Folge die 200-Millionen-Grenze überschreiten.
Die britische Musikindustrie erkauft sich den Rekordabsatz allerdings teuer: Der Durchschnittspreis für eine CD ist laut BPI auf 9,79 Pfund [13,77 Euro] gesunken - damit sank trotz gestiegener Verkäufe auch der Gewinn aus dem Albumgeschäft um zwei Prozent.
"Die Kunden haben uns wiederholt gesagt, dass sie mehr Musik kaufen würden, wenn die Preise erschwinglicher werden", sagte Asda-Sprecherin Rachel Fellows im "Guardian". Ihr Dogma: "Wenn man einen guten Preis macht, wird man mehr verkaufen."
Durch die sinkenden Album-Preise erscheinen Singles, die durchschnittlich vier Pfund [5,63 Euro] kosten, den Konsumenten aber umso teurer. Im Single-Segment hat die Musikindustrie daher am meisten von den File-Sharing-Börsen im Internet zu befürchten. Die Nachfrage in diesem Bereich habe sich in den letzten fünf Jahren halbiert, so die BPI.
IFPI: Downloads killen Musik-Singles
