17.09.2003

GESETZE

Musiktauschbörsen-Paradies Kanada

Während die US-Musikindustrie derzeit gegen einzelne Tauschbörsennutzer mit Prozessen hart vorgeht und dabei besonders Nutzer, die viele Dateien anbieten, im Visier hat, geht man im Nachbarland Kanada einen ganz anderen Weg:

In Kanada sind selbst angefertige Kopien von Songs und Filmen fast ohne Einschränkung legal, wobei die Quelle des Materials keine Rolle spielt.

Dafür sind allerdings die pauschalen Urheberabgaben auf beschreibbare Datenträger in Kanada auch besonders hoch: Auf einen CD-Rohling kommen 0,77 kanadische Dollar [rund 0,5 Euro], und zwar egal, welche Daten gebrannt werden.

In Österreich beträgt die "Leerkassettenabgabe" derzeit rund 27 Euro-Cent pro CD-Rohling.

Kanadier müssen selbst kopieren

Das Copyright-Gesetz, das die vergleichsweise paradiesischen Zustände für Filesharer in Kanada ermöglicht, ist allerdings aus dem Jahr 1998, es wurde also vor dem Boom der Musiktauschbörsen im Netz verabschiedet.

Dementsprechend ist die kanadische Musikindustrie auch über die derzeitige Lage nicht besonders glücklich: Was 1998 nach einem besonders guten Geschäft durch die relativ hohen Urheberrechtabgaben aussah, hat sich inzwischen als Freibrief für Musik-Downloads entpuppt.

Möglich wird das durch die etwas eigenwillige Definition der "Privatkopie" im Copyright-Gesetz von 1998: Demnach muss die Kopie selbst erstellt werden, dafür spielt die Quelle keine Rolle. Dagegen ist das Verschenken einer Kopie nicht legal, egal ob es sich um eine gebrannte CD oder eine Datei aus dem Netz handelt.

"Supernodes" in Kanada

Das "kanadische Modell", bei dem die Copyright-Inhaber über die Urheberrechtabgaben auch für Kopien aus dem Netz entschädigt werden, hat bisher keine größeren Proteste von Nutzern hervorgerufen, die CD-Rohlinge nur erwerben, um eigene Daten zu sichern.

Ob das auch so bleibt, ist ungewiss, denn derzeit sieht es so aus, als ob die Urheberrechtabgaben auf CD-Rohlinge noch einmal erhöht und dabei auch auf andere digitale Medien wie Flash-Speicher ausgeweitet werden sollen.

Unterdessen dürfte aber vor allem der RIAA die Situation in Kanada zu schaffen machen: Sie will sich nach eigenen Angaben nämlich zukünftig auf jene Musiktauschbörsen-Nutzer konzentrieren, die eine große Menge an Songs anbieten ["Supernodes"], und kleinere User verschonen.