"Big Brother" kann jetzt sprechen
Die Regierung Großbritanniens will mit "sprechenden" Überwachungskameras "antisoziales Verhalten" bekämpfen.
Dabei werden die Kameras allerdings nicht mit "intelligenter" Software ausgerüstet, vielmehr soll das Sicherheitspersonal vor den Monitoren jedweden Ansatz dazu bereits im Vorfeld auf Zuruf stoppen können. Die britische Regierung hat 500.000 Pfund [740.000 Euro] für die Installation der Geräte in 20 verschiedenen Regionen bereitgestellt.
Innenminister John Reid hofft, damit der Kriminalität Einhalt zu gebieten, doch die Initiative soll durch "öffentliche Beschämung" der Leute auch der Verschmutzung der Straßen und Vandalismus Einhalt gebieten, so eine Sprecherin der Regierungskampage "Respect".
Verwarnt durch Kinderstimmen
Die Live-Videobilder der Kameras werden wie bisher in Einsatzzentralen der Polizei oder privater Sicherheitskräfte ausgewertet. Bei Verstöße gegen die öffentliche Ordnung können aufgezeichnete Durchsagen per Knopfdruck von den Lautsprechern wiedergegeben werden.
Die Bandansagen sollen nach Vorstellungen des Innenministers von Kindern gesprochen werden. Das meldete die BBC am Mittwoch. Dafür werden in Schulwettbewerben junge "Stimmen der Kameras" gesucht. Von der "Schande einer öffentlichen Bloßstellung für Erwachsene durch eine Kinderstimme" verspricht Reid sich "eine größere Wirkung".
Schutz der Privatsphäre?
Aus Middlesbrough, wo die Kameras bereits sprechen können, wird berichtet, dass die Straßen seit dem Einsatz der Kameras deutlich sauberer seien.
Datenschützer sehen in den Kameras aber vor allem ein "High-Tech-Spielzeug, das Kamerabetreiber die Möglichkeit gibt, in die Privatsphäre normaler Menschen einzudringen".
Großbritannien ist derzeit einer der am besten überwachten Staaten: Geschätzte 4,2 Mio. Überwachungskameras sind dort im Einsatz, also eine Kamera auf 14 Bürger.
(Reuters | dpa)
