Der Traum des Rasterfahnders
Beim zweiten Anlauf nach seinem spektakulären Zusammenbruch scheint das neue deutsche Polizei-Informationssystem zu funktionieren. Innenminister Otto Schily wird das System "Inpol neu" am Donnerstag im Wiesbadener Bundeskriminalamt [BKA] vorstellen.
Gekostet hat "Inpol neu" nach Schätzungen der Gewerkschaft der Polizei [GdP] weit mehr als 60 Millionen Euro, weil es beim ersten Start 2001 wegen hoher Komplexität und gravierender Programmfehler zehn Minuten nach der Inbetriebnahme völlig zusammengebrochen war und neu konzipiert werden musste.
Das hochmoderne Polizei-Intranet Bayerns erwies sich etwa mit dem technisch völlig veralteten Fahndungssytem Schleswig-Holsteins als nicht vernetzbar.
Die Macher des neuen Konzeptes entkoppelten deshalb den Anschluss von Bund und Ländern an das System zeitlich und entwickelten eine "Version 4", mit der alle Länder stufenweise bis 2004 eingebunden werden können. Ist dieser Schritt erreicht, kommt "Version 5", die dann alle fachlichen und technischen Wünsche erfüllen soll.
Start des ProbebetriebsVor dem Täter am Tatort
Das System kann für 270.000 Polizeibeamte Falldaten wie einen Tatort oder ein Aktenzeichen mit Personen und Gegenständen verknüpfen. Auch das Schengen-Informationssystem mit mehr als elf Millionen Datensätzen aus den Mitgliedsstaaten ist angebunden.
Erst in der Vollversion könnte aber möglich sein, wovon der ehemalige Präsident und Erfinder der Rasterfahndung, Horst Herold, vor 30 Jahren träumte: anhand der Daten eine "Kriminalgeografie" zu erstellen, mit der die Polizei präventiv tätig werden kann und im Idealfall noch vor dem Täter am Tatort wäre.
