Verkauf der Herold-CD vorerst gestoppt
Die "Herold Marketing-CD private" des Telefonbuchanbieters Herold hat in den letzten Wochen viel Wirbel verursacht.
Deshalb kommt sie jetzt später auf den Markt als geplant. Zum einen, weil es einen wahren Ansturm auf die Hotline von Herold gab, zum anderen, weil jetzt die Datenschutzkommission prüft, ob die CD mit dem Datenschutzgesetz vereinbar ist.
Auf der CD sind so genannte Tiefendaten von zwei Millionen Österreichern gespeichert, die es Unternehmen ermöglichen sollen, ihre Werbung genau auf die Zielgruppe abzustimmen.
Die Telefone bei Herold sind offensichtlich heiß gelaufen - Hunderte Menschen wollten wissen, ob ihre Daten auf der CD gespeichert sind und wie sie diese löschen lassen können.
Überprüfung nach Robinson-Liste
Weiters sind neue Gerüchte aufgetaucht: Es sollen auch Daten von
Personen gespeichert sein, die auf der so genannten Robinson-Liste
stehen - einer Liste, in die man sich eintragen kann, um sich vor
Massen-Werbesendungen zu schützen. Das könne nicht sein, heißt es
bei Herold, man werde sich das genau ansehen.
Weiter Aufregung um Herolds Daten-CDVorerst Verwendungsverbot
Die Folge des Eklats ist, dass das gesamte Datenmaterial auf der CD noch einmal überprüft wird. Die Datenschutzkommission kontrolliert nun, ob Datenschutzgesetz und Gewerbeordnung eingehalten wurden. Die Kommission hat vorerst ein Verwendungsverbot für die CD ausgesprochen und befragt derzeit Zeugen.
Es ändere sich jedoch nichts, wenn die CD nicht erscheint, sagt Margit Kaluza von Herold. Die Daten seien ohnehin vorhanden und würden von Adressverlagen trotzdem verkauft. Der Prüfung der Datenschutzkommission sehe man aber gelassen entgegen.
Insgesamt sind auf der CD die Daten von vier Millionen Österreichern gespeichert, sie stammen von der Direktmarketing-Firma dm-plus, einem Adressanbieter, der stets versichert hat, dass das Datenschutzgesetz eingehalten wurde.
Tiefendaten auf CD enthalten
Datenschützer sind besonders erzürnt, dass auch die Tiefendaten weitergegeben werden, also etwa Informationen über das Alter von Personen, ihre Partnerschaften, die Anzahl der Kinder und die Größe des Haushalts.
Laut ARGE Daten darf das nur mit Zustimmung der Betroffenen veröffentlicht werden, zumindest muss man ihnen aber die Möglichkeit geben, Widerspruch zu erheben.
Wann die CD jetzt tatsächlich erscheint, hängt davon ab, wann die Datenschutzkommission ihre Überprüfung abschließt. Geplanter Erscheinungstermin war Anfang September, dieser wird sich kaum einhalten lassen.
Herold bleibt gelassen
"Ohne in das laufende Verfahren eingreifen zu wollen: Der heutige Termin bei der Datenschutzkommission hat uns in unserer Überzeugung bestärkt, dass die angekündigte HEROLD Marketing CD private den datenschutzrechtlichen Bestimmungen entspricht", sagt Unternehmenssprecherin Margit Kaluza-Baumruker.
Bei der CD handle es sich um ein "Instrument für zielgruppenorientiertes Direktmarketing und keineswegs um ein Medium, mit dem die Privatsphäre einer Person verletzt werden kann", so Herold in einer Aussendung.
Dieses Produkt ermögliche Klein- und Mittelbetrieben, ihre Zielgruppe ebenso professionell anzusprechen, wie dies große Unternehmen schon lange tun würden. Endverbraucher würden profitieren, indem sie "nur Aussendungen zu Produkten und Dienstleistungen erhalten, die sie mit hoher Wahrscheinlichkeit interessieren".
