Adobe zeigt Creative Suite 3

27.03.2007

Das neue Software-Paket Creative Suite 3 zeigt, zu welcher Größe Adobe herangewachsen ist. Nebenbei dokumentiert es auch, wie kompliziert das Designerleben im Lauf der letzten zwanzig Jahre geworden ist.

US-Grafiksoftware-Hersteller Adobe Systems hat am Dienstag die neuen Versionen seines Gestaltungssoftware-Pakets Creative Suite [CS] für Windows und Mac OS X vorgestellt.

Hatte Adobe bisher zwischen der Creative Suite, in der Anwendungen für Web und Druckvorstufe wie Photoshop, Dreamweaver und Illustrator zusammengefasst waren, sowie dem Adobe Production Studio für Videobearbeitung und diversen kleineren "Bundles" unterschieden, umfasst die Marke "Creative Suite" nun eine ganze Reihe von Software-Kombinationen für verschiedenste Einsatzbereiche in Mediengestaltung und -produktion.

So gibt es von der Creative Suite 3 nun insgesamt sechs verschiedene Zusammenstellungen, die nach Einsatzgebieten sowie nach Umfang und Preis geordnet sind: Design [Standard bzw. Premium], Web [Standard, Premium], AV-Produktion und das große Rundum-Paket unter dem Label "Master Collection".

Preise und Verfügbarkeit

Alle folgenden Preisangaben beziehen sich auf die lokalisierte deutsche Version, die im dritten Quartal 2007 auf den Markt kommen soll. Die US-amerikanischen Varianten des Pakets erscheinen bereits im April.

Zahlreiche Versionen

Für den Allround-Gestalter bietet Adobe die "Creative Suite 3 Design" in den Varianten Standard und Premium an. In der Standard-Variante des Design-Pakets gibt es die bekannte Kost für die Druckvorstufe mit den aktuellen Versionen von Photoshop, Illustrator und InDesign. Auch Acrobat 8 ist in dem Bündel enthalten, das 1.699 Euro kosten soll.

Adobe hat auch das Upgrade-Verfahren geändert. Konnten die Kunden früher nur von einer Photoshop-Einzellizenz auf die gesamte Creative Suite aufsteigen, so ist das nun von jeder einzelnen Lizenz eines Programms möglich, das in der jeweiligen Variante der Creative Suite enthalten ist.

So können nun auch Lizenznehmer von InDesign und Illustrator für 1.249 Euro auf CS3 Standard upgraden. Ausnahme ist hier "Master Collection", für die Adobe eine alte CS-Lizenz plus Einzellizenz eines in der Suite enthaltenen Programms sehen will. Die "Master Collection" kostet 2.999 Euro, das Upgrade 1.699 Euro.

Standard, Premium, Master

In der Premium-Version der Design- und Web-Pakete, und natürlich in der "Master Collection", steckt statt der herkömmlichen die neue Extended-Variante der Bildbearbeitung Photoshop. Diese versteht sich auch auf medizinische Spezialanwendungen und bringt 3-D-Designfähigkeiten mit.

Die alte Webdesign-Lösung GoLive muss nun Dreamweaver Platz machen. Lightroom, die neue Workflow-Anwendung für Fotografen, ist in keinem der Pakete enthalten.

Produktaktivierung und Kontrolle

Wie bereits die Creative Suite 2 muss auch die Creative Suite 3 sowohl in der Mac- als auch in der PC-Version bei Adobe aktiviert werden - sonst startet sie nach 30 Tagen nicht mehr. Laut Alexander Hopstein, dem Sprecher von Adobe Deutschland, hat sich von CS2 auf CS3 der Aktivierungsmechanismus nicht geändert. Der User kann die Aktivierung entweder telefonisch oder über das Web abwickeln.

Bei der Aktivierung schreibt die Software Informationen über die Konfiguration des Rechners in den Boot-Sektor der Festplatte. Der User hat zwei Aktivierungen frei, Adobe erlaubt es, eine Lizenz von CS3 sowohl auf einem Desktop als auch einem Notebook installiert zu haben. Muss der User eine Festplatte austauschen oder nimmt andere "gravierende Änderungen an der Hardware vor" - Hopstein sagte nicht, welche -, empfiehlt es sich, im Hilfe-Menü den Punkt "Aktivierung übertragen" auszuwählen.

Damit macht der User den Eintrag der Schutzsoftware im Boot-Sektor ungültig und meldet, wenn er online ist, die Deinstallation auch dem Kontrollsystem von Adobe.

Die herunterzuladenden Trial-Versionen sind laut Hopstein nicht mit Hilfe eines zu kaufenden Schlüssels zu voll funktionierenden Versionen aufzurüsten. Ausnahme in dieser Hinsicht sei die neue Bildbearbeitung Lightroom. Man überlege sich aber bei Adobe, die bisherige Praxis zu ändern und auch andere Programme zur nachträglichen Aktivierung anzubieten.

Intel-Macs bevorzugt

In der Variante "Production Premium" stecken alle Adobe-Werkzeuge, die mit der Herstellung von AV-Medien zu tun haben: After Effects, Premiere Pro, Soundbooth und Flash, aber auch Photoshop und Illustrator.

Beim Erwerb dieses Pakets müssen Nutzer älterer Macintosh-Computer aufpassen. Während alle anderen großen Anwendungen der Creative Suite als Universal Binaries für PowerPC- und Intel-Prozessoren ausgeliefert werden, laufen Premiere Pro CS3, Soundbooth und Encore nur noch auf Intel-Macs.

Adobe-Manager Klaus-Jürgen Kurz erklärt das im Gespräch mit ORF.at damit, dass man für die Neuentwicklung Soundbooth nicht mehr den Aufwand betreiben wollte, es rückwärtskompatibel zu machen. Beim Einsatz von Premiere Pro habe man das Programm auf die maximale Leistung optimieren wollen und unterstütze deswegen nur neueste Hardware.

Alle CS3-Programme seien mit Microsoft Windows Vista kompatibel, so Kurz. Der Nachteil daran ist, dass Adobe keine kostenlosen Updates für Photoshop & Co. bereitstellen wird, um diese voll mit Vista kompatibel zu machen. Für Adobe Acrobat 8 wird es aber ein kostenloses Upgrade für volle Vista-Kompatibilität geben.

Stichwort Integration

Mit der Creative Suite 3 ist auch die Integration der Produkte des seit 2005 zu Adobe gehörenden einstigen Erzkonkurrenten Macromedia in die Produktpalette des Grafiksoftware-Giganten abgeschlossen. So hat Adobe die Bedieneroberflächen der Programme so weit wie möglich einander angeglichen. Die vielen Paletten sollten verschwinden und geordneten Panels weichen, die sich um die Bildschirmränder gruppieren. Das neue Konzept erinnert insgesamt an die Oberfläche von Photoshop Elements.

Außerdem haben die Programmierer dafür gesorgt, dass die wichtigsten Anwendungen untereinander die jeweiligen nativen Dateiformate möglichst ohne Verluste öffnen und bearbeiten können. Dateien aus Photoshop und Illustrator lassen sich nun auch ohne Abstriche in Flash öffnen - und umgekehrt.

Als Ausgangspunkt für alle Aktionen in der Creative Suite sieht Adobe den frisch überarbeiteten Dateimanager Bridge an. Er erlaubt es jetzt unter anderem, zwei Bilddateien mit Hilfe einer synchronisierten Lupe bis ins Detail miteinander zu vergleichen und Dateien, die zusammengehören, zu Stapeln zusammenzufassen, die auch gemeinsam verarbeitet werden können.

Device Central

Allen CS-Varianten hat Adobe auch Device Central beigelegt, ein Programm, das die Oberfläche verschiedener mobiler Geräte emuliert und auf dem sich testen lässt, wie Grafiken auf den winzigen Bildschirmen der zahllosen Handytypen wirken. Adobe verspricht, die Liste unterstützter Geräte stets aktuell zu halten.

Die schiere Vielfalt von Programmen und Tools zeigt, wie komplex die Aufgaben von Designern und Entwicklern in den letzten zehn Jahren geworden sind. Musste man sich früher noch mit inkompatiblen Web-Browsern herumschlagen, wollen jetzt Hundertschaften von Mobiltelefonen korrekt formatiert bedient werden.

InDesign

Die Neuerungen in den einzelnen Programmen aufzuzählen würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Auf der Vorabdemo, die Adobe am 23. März in Wien gezeigt hat, fiel vor allem InDesign CS3 auf den ersten Blick positiv auf. Das Programm beherrscht jetzt einige Tricks, die man sonst aus FrameMaker und guten Texteditoren kennt und in Layout-Programmen vermisst hat.

Die Suchfunktion versteht jetzt reguläre Ausdrücke. Auch der flexible Umgang mit Textvariablen gefällt, ebenso wie die Formatvorlagen für Tabellen und die mächtige Importfunktion, die über Regeln, die in VBScript, JavaScript oder AppleScript formuliert sein können, ganze Katalogabschnitte automatisch generieren.

Photoshop

Photoshop CS3 bringt schon in der Standard-Version grundlegende Fähigkeiten zur Bearbeitung von Standbildern in Videos mit. Auch die "Smart Filters", die sich mittels Ebenen über die Originalbilder legen und beliebig kombinieren lassen, machen Spaß und sparen Zeit.

Das verbesserte Auswahlwerkzeug soll unterschiedliche Bildbereiche besser erkennen können - was natürlich stark von der Vorlage abhängt - und damit die Routinearbeit des Freistellens vereinfachen. Das flexible Fluchtpunkt-Tool ermöglicht einfaches Prototyping von 3-D-Designs; vorgefertigte Skins lassen sich damit recht bequem über Objekte legen.

Flash

An Flash CS3 Professional hebt Adobe vor allem die verbesserte Integration mit Photoshop und Illustrator hervor. Die Oberflächen wurden auch hier einander angeglichen und die Dateien lassen sich verlustfrei in den jeweiligen Programmen öffnen. Animationen lassen sich nun einfacher in ActionScript 3.0 überführen.

Illustrator

Im Illustrator CS3 hat sich nicht so viel Revolutionäres getan. Außer der bereits erwähnten besseren Unterstützung für Flash-Files zeigte Adobe eine Funktion, die Farbharmonien automatisch auswählen und nach Art des Online-Tools Kuler auch in einfach wieder zu verwendenden Farbpaletten speichern kann. Illustrator kann auch übers Netz auf Kuler-Farbpaletten zugreifen.

Das soll Designern dabei helfen, ihren Kunden schneller verschiedene Farbvarianten eines Objekts anbieten zu können. Das Füllwerkzeug vermag nun, mehrere Farben einer Palette gleichzeitig bereitzuhalten - zwischen ihnen umgeschalten wird über einfache Tastenkombinationen -, und erspart somit manchen Mauskilometer.

Freie Alternativen

Bleibt das Thema Open Source. Das GNU Image Manipulation Program [GIMP] ist mächtig, aber eben nicht so mächtig wie Photoshop. TeX ist nach wie vor eines der mächtigsten und stabilsten Satzsysteme auf dem Markt, ist aber nicht für den Layout-Bereich geschaffen. Hier könnte sich in Zukunft das Projekt Scribus anbieten. Im Bereich Vektorgrafik buhlen Inkscape und Xara Extreme um die User. Als Audiofile-Editor kommt Audacity in Frage, zum Videobearbeiten gibt es Jahshaka.

Konkurrenz

Der schiere Umfang der Creative Suite beeindruckt. Die "Master Edition" umfasst 14 große Anwendungen und zahlreiche Tools. Seit Adobe Macromedia absorbiert hat, ist das Unternehmen in einigen Bereichen konkurrenzlos. Mit der Creative Suite 3 spielt das Unternehmen die Macht, für beinahe jeden Bereich der zeitgenössischen Medienproduktion einen geschlossenen Workflow anbieten zu können, erstmals richtig aus.

Alternativen gibt es nur in einzelnen Bereichen. Apple bietet mit Final Cut Pro und Aperture Software für Video- und Bildbearbeitung an, die mit Premiere und Lightroom vergleichbar ist. Aber diese Programme laufen exklusiv auf Mac OS X. Corel bietet Painter, PaintShop Pro und Corel Draw an, zielt aber damit eher auf den Amateurmarkt.

Der letzte Schnitt

AV-Schnitt- und Animationssoftware kann man auch bei Avid kaufen; im Audiobereich ist zum Beispiel Steinberg wichtig. Aber je enger die Mediensysteme und ihre Arbeitsabläufe zusammenrücken, desto größer könnte der Vorteil von Adobe werden.

Anbieter vereinzelter Lösungen sind schnell verdrängt. Das zeigt das Beispiel Quark. Laut Klaus-Jürgen Kurz hat InDesign dem einstigen Quasi-Monopolisten im deutschen Magazinpublishing schon ordentlich Marktanteile abgejagt und steht dort nun bei etwa 50 Prozent. Sicher ist der Erfolg von InDesign auch auf Fehler beim träge gewordenen Ex-Champion Quark zurückzuführen. Aber gerade in der Druckvorstufe hat Adobe seine Kernprodukte früh integriert - und gewonnen.

(futurezone | Günter Hack)