Eine Milliarde ausgearbeitete Digitalfotos
Die digitale Fotografie boomt. Ob Panasonic, Canon, Nikon oder Kodak - auf der Internationalen Funkausstellung [IFA] in Berlin präsentieren alle großen Hersteller neue Aufnahme- und Bearbeitungssysteme.
Wie stark die Fotobranche auf das Wachstum durch die elektronische Bilderwelt setzt, dokumentieren die Absatzzahlen: Rund 1,25 Milliarden Euro investierten die Verbraucher 2002 in neue Kameras - fast drei Viertel der Summe entfallen auf digitale Apparate. Aber auch Bildverarbeitung und Zubehör wie Speicherkarten sollen die Kassen klingeln lassen.
"Spätestens 2004 wird das Jahr des digitalen Bildes. Das Branchenwachstum wird im Wesentlichen von Digitalkameras getragen", beschreibt Willy Fischel, Geschäftsführer des deutschen Bundesverbandes Technik des Einzelhandels [BVT] den Trend.
4,5 Mio. Digicams in Deutschland
Er erwartet, dass in diesem Jahr allein in Deutschland rund 4,5
Millionen Digitalkameras verkauft werden. Der Umsatz mit klassischen
Rollfilmen ging dagegen zwischen 2001 und 2002 um 17 Prozent auf 530
Millionen Euro zurück.
IFABranche lebt von Zubehör und Service
Insgesamt summierten sich die Ausgaben für Amateurfotoprodukte 2002 auf 4,2 Milliarden Euro. Rund 1,3 Milliarden Euro entfielen dabei auf das Geschäft mit Analog- und Digitalkameras, 0,5 Milliarden Euro auf den Camcorder-Markt.
Die Branche setzt aber immer mehr auf den Handel mit Zubehör und Serviceleistungen: Für Filme, Fotobearbeitung und Zubehör gaben die Kunden 2,4 Milliarden Euro aus. Die Zahl der digital ausgedruckten Fotos stieg von 157 Millionen im Jahr 2001 auf 400 Millionen im Jahr 2002. In diesem Jahr rechnet der BVT mit einer Milliarde Fotoabzügen von digitalen Daten.
Wohin die Branche beim Zubehörgeschäft steuert, zeigt auch die Absatzentwicklung bei Speichermedien. So wurden 2002 2,2 Millionen Memory-Cards verkauft, rund 160 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In den ersten Monaten dieses Jahres verzeichnete die Fotowirtschaft mit den Speicherkarten erneut einen Mengenzuwachs von 140 Prozent. "Mit dem Multimedia-Trend und der starken Nachfrage bei Zusatzprodukten hat der Fachhandel wieder alle Chancen der Welt, Markt zu machen", erwartet der Verbandsgeschäftsführer.
Das Zusammenwachsen von Fotografie und Unterhaltungselektronik dokumentiert auch das steigende Brancheninteresse im Fotobereich an der Funkausstellung. "Die IFA hat sich neben der Photokina in den letzen vier Jahren als wichtiger Messetermin für die Fotobranche etabliert", schätzt Jochen Wiesinger, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs-und Kommunikationselektronik [GFU]. "Der Termin liegt ideal vor dem Weihnachtsgeschäft."
Der technische Wettlauf um die höchste Auflösung steht auf der IFA auch in diesem Jahr nicht mehr im Mittelpunkt. "Inzwischen sind fünf Megapixel an der Tagesordnung, das bedeutet hochwertige DIN-A3- Ausdrucke", schildert Wiesinger den Stand der Dinge. "Jetzt geht es darum, die Systeme möglichst komfortabel zu machen."
Viele Digitalkameras bieten inzwischen die technische Ausstattung einer hochwertigen Spiegelreflexkamera. "Die Produktwelten Foto, Unterhaltungselektronik, Telekommunikation und PC verschmelzen immer stärker", beschreibt Fischel die Entwicklung.
