13.08.2003

"W32.BLASTER"

MS übernimmt Verantwortung für Virus

Die Bilanz nach rund zwei Tagen, in denen sich der Windows-Wurm "W32.Blaster" [auch "MSBlaster", "Blaster" oder "Lovesan"] teils rasant im Internet ausbreitet, ist durchwachsen:

Einerseits sind je nach Zähl- oder Schätzweise zwischen 120.000 und 1,4 Millionen Rechner betroffen, andererseits wird die Schadensroutine des Schädlings als relativ harmlos beurteilt, da keine Files gelöscht werden.

Der Wurm breitet sich allerdings immer noch aus, am Mitttwoch wurden die ersten Fälle aus Japan gemeldet. Derzeit sieht man laut der Anti-Virus-Organisation Trend Micro auch nur "die Spitze des Eisbergs".

Betroffen sind in erster Linie Privatrechner, bei Firmennetzwerken wird der Wurm in der Regel durch Firewalls abgeschirmt, in einzelnen Fällen wurden aber auch ganze professionell betreute Netzwerke lahm gelegt.

MS übernimmt Verantwortung

Microsoft hat zwar bereits vor rund einem Monat ein Patch für die Sicherheitslücke, die "MSBlaster" ausnützt, veröffentlicht, gestand jetzt allerdings auch ein, dass die Betroffenen PC-Besitzer "nicht wirklich" für den Wurmbefall auf ihren ungeschützten Systemen verantwortlich zu machen seien:

"[Die Ursache] ist definitiv ein Fehler in unserer Software", sagte MS-Sprecher Sean Sundwall.

Das sieht der Wurm-Autor offensichtlich auch und hat im Code von "MSBlaster" die Nachricht "billy gates why do you make this possible? Stop making money and fix your software!" versteckt.

Sicherheitsexperten wiesen - wieder einmal - darauf hin, dass der durchschnittliche Privatnutzer einfach nicht die Zeit und oft auch nicht die nötigen Informationen dafür habe, alle nötigen Patches aufzuspielen.

Amtliche Rüge

Ein Sprecher des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik [BSI] warf Microsoft unterdessen vor, PC-Nutzer nicht offensiv genug auf das bereits am 16. Juli bekannt gewordene Sicherheitsproblem aufmerksam gemacht zu haben.

Die von Microsoft ergriffenen Maßnahmen hätten jedenfalls "nicht zum Erfolg geführt", sagte BSI-Sprecher Michael Dickopf der Nachrichtenagentur Reuters. "Sonst wären nicht so viele Rechner betroffen."

Verkehrsamt lahm gelegt

Einer der wenigen Fälle, in denen ein großes, professionell betreutes Netz ernsthaft von "MSBlaster" betroffen war, ereignete sich im US- Bundesstaat Maryland. Dort wurde das gesamte Computersystem des Verkehrsamtes lahm gelegt.

Tausende US-Bürger versuchten am Dienstag vergeblich, Meldebescheinigungen oder Anträge auf Verlängerung ihres Führerscheins online auszufüllen. Auch die Telefondienste waren zusammengebrochen.

Die "Maryland Motor Vehicle Administration" habe am Vormittag registriert, dass das System befallen sei, und dann nach einigen Stunden erkannt, dass es sich um den Wurm "Lovesan" handelte. Daraufhin sei beschlossen worden, alle Computer abzuschalten, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Bis Mittwoch [Ortszeit] sollten über 1.700 Computer des Amtes im gesamten Bundesstaat überprüft und neu gestartet werden. Nach Angaben des Sprechers werden an normalen Tagen täglich über 50.000 Zugriffe von Bürgern auf das System registriert.