10.08.2003

Ö1-TIPP

IT-Outsourcing in Billiglohnländer

Welche Tätigkeiten können überhaupt ausgelagert werden? Welche Probleme handeln sich Unternehmen dabei ein? Wie kann Zusammenarbeit über große Entfernungen funktionieren? Diesen Fragen stellt sich das internationale Forschungsprojekt Emergence.

In allen EU-Ländern, aber auch in einigen osteuropäischen Staaten, in Nordamerika, in Australien und in 10 asiatischen Ländern wurden Fallstudien durchgeführt und das Phänomen der neuen Arbeitsteilung von allen Seiten beleuchtet.

Die neuen Sweatshops

"Du kannst zuhause einen Pizzadienst anrufen und dein Anruf wird von jemandem in Neuseeland beantwortet", so Peter Standen, Professor an der Edith Cowan University in Perth, in Australien. Im Rahmen des Emergence-Projekts untersuchte er die Auslagerung von Arbeit durch australische Betriebe.

Was sind die Konsequenzen, wenn Dienstleistungen, wie telefonische Bestellungen rund um den Globus geschickt werden? Wenn Jobs in billigere Länder verlagert werden, wirft das viele interessante Fragen auf, meint Peter Standen - etwa die Frage nach dem Sinn von Arbeit.

Immer mehr Call-Centers werden nach Asien ausgelagert, berichtet Peter Standen. Denn dort machen die Löhne nur 10 bis 20 Prozent der australischen Gehälter aus und die Unternehmen müssen sich nicht mit Arbeitsrecht und Gewerkschaft auseinandersetzen. Wie menschenunwürdig die Arbeitsbedingungen in der Praxis sind, hat das Emergence-Projekt aufgedeckt.

Peter Standen: "Auf großen Screens wird die Performance jedes einzelnen Mitarbeiters angezeigt, also wieviele Anrufe in einer Stunde abgewickelt wurden, wie die Erfolgsrate beim Verkauf von Produkten aussieht und wieviel Zeit man auf der Toilette verbracht hat. Die Pausen sind ja sehr limitiert, man darf ja nur pro Stunde zwei Minuten lang seinen Arbeitsplatz verlassen."