IT-Outsourcing in Billiglohnländer
Welche Tätigkeiten können überhaupt ausgelagert werden? Welche Probleme handeln sich Unternehmen dabei ein? Wie kann Zusammenarbeit über große Entfernungen funktionieren? Diesen Fragen stellt sich das internationale Forschungsprojekt Emergence.
In allen EU-Ländern, aber auch in einigen osteuropäischen Staaten, in Nordamerika, in Australien und in 10 asiatischen Ländern wurden Fallstudien durchgeführt und das Phänomen der neuen Arbeitsteilung von allen Seiten beleuchtet.
"Die Einheit von Raum und Zeit, die den meisten Arbeitsmodellen bisher zugrunde lag, befindet sich in Auflösung", so die Ursula Huws, Professorin für Internationale Arbeitsforschung an der London Metropolitan University. Sie leitet das internationale Forschungsprojekt Emergence.
EMERGENCEDie neuen Sweatshops
"Du kannst zuhause einen Pizzadienst anrufen und dein Anruf wird von jemandem in Neuseeland beantwortet", so Peter Standen, Professor an der Edith Cowan University in Perth, in Australien. Im Rahmen des Emergence-Projekts untersuchte er die Auslagerung von Arbeit durch australische Betriebe.
Was sind die Konsequenzen, wenn Dienstleistungen, wie telefonische Bestellungen rund um den Globus geschickt werden? Wenn Jobs in billigere Länder verlagert werden, wirft das viele interessante Fragen auf, meint Peter Standen - etwa die Frage nach dem Sinn von Arbeit.
Immer mehr Call-Centers werden nach Asien ausgelagert, berichtet Peter Standen. Denn dort machen die Löhne nur 10 bis 20 Prozent der australischen Gehälter aus und die Unternehmen müssen sich nicht mit Arbeitsrecht und Gewerkschaft auseinandersetzen. Wie menschenunwürdig die Arbeitsbedingungen in der Praxis sind, hat das Emergence-Projekt aufgedeckt.
Peter Standen: "Auf großen Screens wird die Performance jedes einzelnen Mitarbeiters angezeigt, also wieviele Anrufe in einer Stunde abgewickelt wurden, wie die Erfolgsrate beim Verkauf von Produkten aussieht und wieviel Zeit man auf der Toilette verbracht hat. Die Pausen sind ja sehr limitiert, man darf ja nur pro Stunde zwei Minuten lang seinen Arbeitsplatz verlassen."
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Sweatshops werden die berüchtigten Produktionsstätten in den
Billiglohnländern Asiens genannt, wo Arbeiterinnen in Rekordzeit und
unter menschenunwürdigen Bedingungen T-Shirts oder Schuhe fertigen.
Doch nicht nur minder-qualifizierte Arbeit wird ausgelagert. Die
Software-Industrie und die verschiedensten IKT-gestützten
Dienstleistungen verlagern auch qualifizierte Arbeit, wie
Programmierung, Dateneingabe oder Korrekturlesen von Europa nach
Asien. In matrix berichten Forscher aus Australien, Vietnam, Indien
und Europa über die neue internationale Arbeitsteilung.
matrix - computer & neue medien
