08.08.2003

VORWURF

Angeblich Telekom-Schmiergeld in Österreich

Schmiergelder, die angeblich in Zusammenhang mit dem Kauf eines 30-prozentigen Aktienpakets der Telekom Serbia durch die Telecom Italia im Jahr 1997 gezahlt wurden, sollen auf österreichischen Bankkonten gelandet sein.

Das berichtete nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Il Giornale" [Freitag-Ausgabe] der skandalumwitterte italienische Geschäftsmann Igor Marini, der sich als Kronzeuge in der Korruptionsaffäre um die Telekom Serbia in Turin in Haft befindet.

Marini, der am 8. Mai in der Schweiz wegen mutmaßlicher Geldwäsche festgenommen worden war, bekräftigte laut italienischen Medienberichten seine Vorwürfe gegen den EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi, der 1997 italienischer Ministerpräsident war.

225 Millionen USD Schmiergeld

Marini belastete erneut auch den damaligen Außenminister Lamberto Dini, der derzeit als Vertreter der italienischen Opposition im EU-Konvent sitzt, sowie den damaligen Minister für Außenhandel, Piero Fassino, derzeitiger Vorsitzender der Linksdemokraten.

Prodi, Dini und Fassino hätten Schmiergelder in der Höhe von 225 Millionen USD kassiert. 100 Millionen, die für Prodi bestimmt waren, und 50 Millionen für Fassino seien auf österreichischen Bankkonten gelandet, berichtete Marini.

Die restliche Summe, die Dini zugeschanzt worden sei, sei auf ein Bankkonto im Libanon gelandet, erklärte der Geschäftsmann, der auch Dinis Ehefrau Donatella, eine angesehene Unternehmerin, belastete.

In Italien wird an der Glaubwürdigkeit Marinis stark gezweifelt. Der Geschäftsmann mit einer Vergangenheit als Schauspieler in zweitrangigen Filmen sei öfters in Betrugsfälle verwickelt gewesen, berichteten italienische Medien. Marini wurde von Dini wegen Verleumdung angezeigt.