29.07.2003

REAKTION

USA stoppen Online-Börse für Terrorakte

Pläne für eine Online-Börse, auf der über das Auftreten künftiger politischer Ereignisse spekuliert werden sollte, scheinen nun beendet zu sein.

Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz sagte, dass das Projekt nach seinem Verständnis beendet wird. Obwohl das Verteidigungsministerium einfallsreich sein soll, klinge es so, als wären sie ein bisschen zu fantasievoll gewesen.

Die wissenschaftliche Pentagon-Abteilung DARPA plante eine Online-Börse für Termingeschäfte, in der Personen beispielsweise auf die Möglichkeit eines Umsturzes des jordanischen Königs Abdullah Wetten abschließen sollten.

DARPA [Defense Advanced Research Projects Agency] charakterisierte die Online-Börse als "derzeit kleines Forschungsprogramm mit vielen Unsicherheiten".

Politische Prognosen

Die Wett-Möglichkeiten wie Terroranschläge oder Attentate hatte die Kritik von zwei US-Senatoren hervorgerufen, die die Pläne als lächerlich und grotesk bezeichneten. "Wie würden sie sich fühlen, wenn sie der König von Jordanien sind und es wird auf ihren Umsturz gewettet", fragte Senator Byron Dorgan.

Es sei für ihn schwierig, andere Leute davon zu überzeugen, dass es sich um ein offizielles Pentagon-Projekt und nicht um einen Scherz handle, so der Demokrat Dorgan weiter.

Das US-Verteidigungsministerium verteidigte das Projekt als eine Möglichkeit, mit Hilfe des Markts politische Prognosen zu erstellen und dadurch künftige Terroranschläge zu verhindern. Laut DARPA liegen Online-Wahlbörsen lägen oft näher am Endergebnis als Meinungsforschung.

Poindexter soll Verantwortlicher sein

Das Projekt nennt sich "Policy Analysis Market" [PAM] unter dem Titel "Börse zur Zukunft des Nahen Osten" und will sich auf die Region Ägypten, Jordanien, Iran, Irak, Israel, Saudi Arabien und die Türkei konzentrieren. Bis zum Jahr 2005 sind dafür acht Mio. USD [6,96 Mio. Euro] budgetiert.

Als Verantwortlichen nannten die beiden Senatoren Admiral John M. Poindexter, ehemaliger Sicherheitsberater unter Präsident Ronald Reagan und damals zentrale Figur des Iran-Contra-Skandals.

Unter Poindexter wurde auch das kürzlich gestrichene TIA gestartet, mit dem die USA zuerst alle US-Bürger, später "nur" mehr den Rest der Welt überwachen wollte.

Wie es funktionieren soll

Spekulanten können Voraussagen ankaufen und verkaufen. Das heißt, wer etwa an einen bevorstehenden Terrorakt mit einer Autobombe glaubt, kauft sich ein und kassiert, wenn diese Voraussage eintrifft. Wer das Ereignis eher für unwahrscheinlich hält, wird versuchen, zu verkaufen.