29.07.2003

MUSIK & TAUSCH

Eltern von P2P-Kids werden geklagt

Die Vorladungen der US-Musikindustrie gegen vermeintliche Tauschbörsenuser in den USA sorgen bereits für heftige Unruhe und könnten noch zu einem heißen Spätsommer beitragen.

Seit Mitte Juli verlangt der Lobbyverband RIAA [Record Industry Association of America] von den Internet Providern die Namen von Tauschbörsen-Usern, die Songs zum Download angeboten haben sollen.

Nachdem bekannt wurde, dass auf den Listen auch ahnungslose Großeltern und Eltern von Minderjährigen sind, hofften viele, dass die Musikindustrie in diesen Fällen keine Klage erheben wird.

Dies scheint angesichts einer Äußerung des RIAA-Präsidents Cary Sherman eher unwahrscheinlich: "Wir nehmen das sehr ernst. Wir wollen den Eltern verständlich machen, dass ihre Kinder etwas Illegales machen, daher werden wir Klagen einreichen."

Finanzielles Problem

Sollte die RIAA ihre Pläne wirklich umsetzen, könnten einige Familien vor einem finanziellen Problem stehen: Bei bis zu 150.000 USD möglicher Strafe pro Song und rund 200 USD für ein Anwaltshonorar [pro Stunde] könnten etwaige Ersparnisse bald aufgebraucht sein.

Obwohl die RIAA bereits einige Informationskampagnen, unter anderem direkte Nachrichten über die Online-Tauschbörse KaZaA, gestartet hat, haben einige Eltern angegeben, nicht gewusst zu haben, dass Filesharing illegal ist.

Die betroffenen Eltern sprechen sich jedoch vor allem gegen die Art der Bekanntgabe der Aktivitäten ihrer Kinder aus, eine reine Information hätte viele nach eigenen Angaben bereits dazu gebracht, die Online-Aktivitäten ihrer Kinder näher zu betrachten.

Online-Hilfe bei Vorladung

Auf der Website der Electronic Frontier Foundation [EFF] können besorgte User über eine Suchfunktion überprüfen, ob ihr Tauschbörsen-Nickname auf der Abschussliste der RIAA steht.

Weiters wird Hilfestellung beim Eintreffen einer derartigen Vorladung bereitgestellt.

Sollte jemand seinen Namen auf der Liste wiederfinden, kann er die Vorladung, die meist beim ISP aufliegt, auch digital einsehen. Die EFF bezieht diese Information vom US-Gerichtssystem Pacer, das laufend aktualisiert wird.

Auf einer weiteren Site gibt die EFF Tipps, wie Vorladungen von der RIAA vermieden werden können, darunter auch das Abschalten der Sharing-Funktion bei den Tauschbörsen ¿ jene Funktion auf der das Prinzip der Tauschbörsen basiert. Aber auch das Entfernen von copyright-geschützten Material wird angeraten.