25.07.2003

LINUX CODE

Konzerne ignorieren SCOs Warnungen

Der vielbeachtete Schritt der SCO Group, der freien Software Linux schwere Urheberrechtsverletzungen vorzuwerfen, ist am Enterprise-Sektor eher unbeobachtet vorübergegangen.

Im Mai dieses Jahres hatte SCO an rund 1.500 Konzerne Briefe ausgesandt, in denen die Unternehmen gewarnt wurden, Linux weiter zu verwenden. Die Begründung: Teile des Linux-Codes seien aus dem Unix-Code gestohlen, an welchem SCO die Rechte hätte.

Diese Woche hat die SCO Group Unternehmen angeboten, mögliche rechtliche Schritte zu unterlassen, falls Lizenzgebühren nachgezahlt werden.

Die Websites von T-Online, Deutsche Bank, Royal Sun Alliance, SunGuard und Charles Schwab haben kürzlich auf Linux gewechselt. "Entgegen der Annahme vieler Marktbeobachter haben Unternehmen nach den SCO-Angriffen nicht auf Linux verzichtet", so die Netcraft Studie.

Der Online-Broker Charles Schwab sei ein besonders interessantes Beispiel. Die Website schwab.com ist einer der intensivsten Nutzer von Secure Sockets Layer [SSL], einem Bereich, der stark von kommerziellen Produkten dominiert wird.

IT-Departments bleiben gelassen

"Die SCO-Sache erhielt zwar enorme Aufmerksamkeit von Medien und Linux-Verfechtern", so Netcraft trocken weiter. "Doch in den IT-Abteilungen der großen Unternehmen hat der Fall wenig Aufmerksamkeit". Netcraft listet mehrere Argumente auf, wieso Unternehmen sich nicht in ihrer Linux-Strategie abbringen lassen.

Erstens würden Unternehmen die Wahrscheinlichkeit eines Rechtsstreits als äußerst gering einschätzen, zweitens sind im Fall des Falles die Kosten für eine Migration zu FreeBSD und anderen BSD-Derivaten sehr gering. Drittens sind viele Unternehmen ihrer eigenen Migrationsstrategie verpflichtet und planen nicht, diese zu ändern.

Netcraft geht davon aus, dass die Konkurrenz von Windows und Solaris mehr Einfluss als ein drohender SCO-Rechtsstreit hat. Dennoch ist der Weg zu Linux keine Einbahn: Unternehmen wie Valaro Energy, Cadbury Schweppes und Colt haben auf Windows gewechselt.