Wikipedia soll werbefrei bleiben
Vergangene Woche haben einige Weblogs fälschlicherweise vom drohenden finanziellen Aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia berichtet. Im Rahmen dieser Diskussion wurde auch die Idee einer werbefinanzierten Version wieder aufgebracht, Gründer Jim Wales spricht sich aber dagegen aus.
In den letzten Wochen wurde eine Diskussion über die finanzielle Situation der Online-Enzyklopädie Wikipedia angezündet, nachdem sich die Vorsitzende der Wikimedia Foundation, Florence Devouard, auf der Konferenz LIFT07 in Genf dazu geäußert hatte.
In einigen Weblogs wurden ihre Aussagen falsch ausgelegt und führten zu vielfältigen Spekulationen und Schlagzeilen, dass Wikipedia sich finanziell höchstens noch drei bis vier Monate über Wasser halten könne. Auch die Frage nach einem möglichen werbefinanzierten Betrieb der Website wurde dabei aufgeworfen.
"Keine Sorgen über die Zukunft"
Tatsächlich erzählte Devouard auf der Konferenz, dass die Foundation das Geld für die nächsten drei bis vier Monate auf der Bank habe, sie sich aber "keine Sorgen über die Zukunft" mache.
Die Kosten für die benötigte Bandbreite von Wikipedia wurden für 2007 auf 60.000 bis 100.000 Dollar im Monat geschätzt. Derzeit würden rund 350 Server in drei Datenzentren betrieben. Die letzte Fund-Raising-Initiative Ende 2006 habe rund eine Million Dollar, hauptsächlich aus Kleinspenden, ergeben.
Wales gegen Werbung
Auch Wikipedia-Gründer Jim Wales hat sich nun zu dem Thema geäußert und bestätigte gegenüber der Tech-Website Ars Technica, dass er weiter auf das derzeitige Finanzierungsmodell setze:
"Genug Geld zu sammeln, um Wikipedia am Laufen zu halten, ist eine schwierige Aufgabe", so Wales, "aber wir sind zuversichtlich, dass wir das auch in Zukunft schaffen."
Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hält trotz aller Kritik an ihrem Prinzip der totalen Offenheit fest. Wikimedia-Vorstand Mathias Schindler sprach mit ORF.at über den typischen Wikipedia-Autor, eine statische Version des Angebots und den Hype-Begriff Web 2.0.
Calacanis: "Wales anti-unternehmerisch"
Anders sieht das Jason Calacanis, Gründer des mittlerweile von ihm verkauften Weblog-Netzwerks Weblogs Inc., der sich ebenfalls in die Diskussion eingeschaltet hat und Wales vorwirft, Wikipedia mit seiner anti-unternehmerischen Einstellung zurückzuhalten.
Er schätzt, dass die Enzyklopädie mit einem Minimum an Werbung rund 100 Millionen Dollar im Jahr einnehmen könnte. Seiner Meinung nach sollten die Nutzer zwischen einer werbefreien und einer werbeunterstützten Version wählen können.
"Firefox nimmt 50 Millionen Dollar und mehr im Jahr mit Werbung ein", argumentiert Calacanis. "Ist irgendetwas falsch mit Firefox, haben sie sich korrumpieren lassen?"
Wales: Entscheidung bei der Community
Wales wiederum betont, dass das sowieso nicht seine Entscheidung sei. Obwohl er selbst gegen Werbung sei, müsse eine Entscheidung dafür von der Wikipedia-Community getroffen werden.
"Ich kann nicht sagen, ob ich diese Strategie jemals unterstützen werde", so Wales, "aber ich kann sagen, dass ich derzeit denselben Standpunkt wie jeher vertrete: Ich bin dagegen."
Wales entwickelt derzeit eine auf User-Meinung basierte Open-Source-Suchmaschine als Konkurrenz zu Google. Wikiasari soll laut Wales "frei von Spam und Schrott" sein und wird vom Online-Händler Amazon mitfinanziert.
(futurezone | Ars Technica)
