Keine Trendwende am IT-Sektor
Trotz zuletzt vereinzelt positiver Signale weltweiter Technologie-Unternehmen sieht der Branchenverband Bitkom für 2003 in der leidgeprüften deutschen Computer- und Telekommunikationsindustrie noch keine Anzeichen für eine Trendwende.
"Wir müssen deutlich sehen, dass wir nach wie vor keine kräftigen Aufschwungsignale erkennen können", sagte Jörg Harms, Vizepräsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien [Bitkom], am Freitagabend zu Reuters in München. "Unsere Branche wird sich auch in diesem Jahr auf ein weiteres Jahr der Stagnation einstellen müssen."
Sparten unterschiedlich betroffen
Allerdings gebe es unterschiedliche Entwicklungen in den
einzelnen Bereichen. So könnten die Segmente "Mobile Computing" und
Online-Dienstleistungen beispielsweise durchaus mit Zuwächsen
rechnen.
BitkomZu früh, um von Aufschwung zu sprechen
In den vergangenen Tagen hatten mehrere Unternehmen wie Intel und Microsoft die Anleger mit guten Zahlen erfreut und das Marktforschungsinstitut IDC für das zweite Quartal ein Anziehen des PC-Verkaufs registriert. Anderseits blieben Technologie-Konzerne wie SAP oder Nokia unter den Erwartungen und selbst Branchenprimus Intel warnte, es sei noch zu früh, um von einem Aufschwung zu sprechen.
Die zur Computermesse CeBIT in Hannover aufgestellte Prognose, wonach der deutsche Markt für Informationstechnik und Telekommunikation 2003 bestenfalls um 0,5 Prozent auf 132,6 Milliarden Euro wachsen werde, gelte nach wie vor, sagte Harms. Für 2004 geht der Bitkom dann wieder von einem moderaten Plus von drei Prozent auf 136 Milliarden Euro aus. Besonders der Bereich Hardware und Telekommunikationsausrüstung werde im laufenden Jahr schrumpfen, bei Software und Dienstleistungen sei mit einer Stagnation zu rechnen.
"Insgesamt wird der Markt stagnieren - wenn auch auf hohem Niveau", resümierte Harms. Die Unternehmen investierten wenig, setzten auf Kostensparprogramme und steigerten die Effizienz.
"UMTS nicht kritisieren"
Der Bitkom-Vizepräsident warnte zugleich davor, den neuen Mobilfunkstandard UMTS im Vorfeld bereits als unwirtschaftlich oder gar als Misserfolg abzutun. Sowohl der Vorgängerstandard GSM als auch die breitbandigen ISDN-Festnetzanschlüsse seien bei ihrer Einführung als Pleiten kritisiert worden, mittlerweile aber äußerst erfolgreich. "Heute machen wir den gleichen Fehler mit UMTS", sagte Harms.
