Neue Übernahmegerüchte um One

12.02.2007

Die ägyptische Orascom, die erst vergangene Woche in Griechenland groß eingekauft hat, steht im Zentrum der neuen Verkaufsgerüchte um den österreichischen Mobilfunker One. Ebenso genannt wird die stark expandierende Telefonica, die gerade auch in Italien einsteigen will.

Die Marktführer und...

Frühling ist's und auf dem europäischen Mobilfunkmarkt hat sich das Übernahmekarussell wieder zu drehen begonnen. Gern gekauft werden wie schon in den vergangenen Jahren in der Regel die Nummer drei oder vier im jeweiligen Lande. Was logisch ist, denn die Mobilfunk-Marktführer sind europaweit zumeist noch im Besitz des regionalen "Incumbent", also einer der zumeist teil-entstaatlichten Telekoms.

Sie sind die Cash-Cows der Telekoms und werden in der Regel deshalb auch nicht verkauft.

...der Eroberer aus dem Südosten...

Die jeweiligen Zweiten, seltener auch der Marktführer - etwa die bulgarische Mobiltel, die der Telekom Austria gehört - sind in Europa zumeist schon in den Händen eines Eroberers wie T-Mobile oder Vodafone.

Einer von diesen ist Naguib Sawiris, Gründer von Orascom Telecom, die von Ägypten aus ein Mobilfunknetz von Algerien bis Bangladesch unterhält. In der vergangenen Woche hatte Sawiris in Griechenland zugeschlagen und TIM Hellas vom Markt gekauft. Die Nummer drei in Griechenland ging um 3,4 Milliarden Euro an den ägyptischen Tycoon, der schnupfte mit auch gleich einen alternativen Festnetzanbieter mit.

...und der aus dem Südwesten

Damit wurde die Griechenland-Tochter der Telekom Italia innerhalb von 18 Monaten zweimal verkauft. Im Juni 2005 hatten die Investment-Fonds APAX Partners and Texas Pacific Group TIM Hellas um 1,6 Milliarden Euro von der Telecom Italia erworben, womit wir in Italien sind.

Dort war mitten in den Versuch, die Mobilfunktochter TIM verkaufsreif zu machen, im Sommer 2006 ein beispielloser Überwachungsskandal losgebrochen, der zum sofortigen Abbruch des Umbaus führte. Am Sonntag wurde nun bekannt, dass die spanische Telefonica mit Teil-Eigentümer Pirelli über den Verkauf von Anteilen der Telecom Italia verhandelt. Dabei geht es natürlich um die profitable Mobilfunktochter TIM.

Von Italien aus...

Die viertgrößte Mobilfunkunternehmen Italiens "Wind" gehört wiederum Orascom Telecom, der auch Ambitionen auf die Internet-Tochter der TI Tiscali nachgesagt werden. Orascom-Mehrheitseigentümer Zawiris war auch zuletzt stets im Spiel, wenn wieder einmal der mögliche Verkauf von One in die Medien geriet.

Die Tageszeitung "Österreich" berichtet jedenfalls am Montag über die Neuaufnahmevon Verkaufsgesprächen des One-Hauptaktionärs E.ON [50,1 Prozent] mit alten Interessenten.

...über Österreich nach Norden

Logisch wäre es für die Orascom, denn die zweifache Landnahme der Ägypter im Süden Europas, nämlich in Griechenland und Italien, kann nur heißen, dass sie nach Norden wollen.

Die Orascom Telekom betreibt neben Griechenland und Italien in Algerien, Tunesien, Ägypten, im Irak, Pakistan und Bangladesch Handynetze. Insgesamt sind es fast 50 Millionen Kunden in Ländern, die großteils erst Mobilfunk-Penetrationsraten von unter 20 Prozent aufweisen.

Telefonica und KPN

Und dort, im Norden Italiens ist eben die österreichische One seit Jahren Übernahmekandidat, als Käufer in Frage kommen in erster Linie Betreiber, die in den direkten Nachbarländern bereits präsent sind.

Die spanische Telefonica, zum Beispiel mit O2-Deutschland und O2-Tschechien. Die niederländische KPN wiederum betreibt in Deutschland mit E-Plus und deren Diskonttochter Simyo einen One ganz ähnlich aufgestellten Mobilfunker.

Bei One halten allerdings auch die norwegische Telenor, und die französische Orange je 17,45 Prozent, die TDC [Dänemark] hält 15.

Das Netz der Telenor

Von allen drei hat die Telenor vom Norden aus über Finnland, Russland, die Ukraine, Ungarn und Serbien in Richtung Süden das bei weitem das größte Netz gebaut. Es reicht vom Nordkap in Norwegen direkt ans Mittelmeer [Montenegro].

Wenn man es genau anschaut, dann versteht man, warum es die Telenor in der Vergangenheit nie eilig hatte, für One ein ebenso unwiderstehlich hohes Angebot zu legen, wie beim Verkauf der serbischen Marktführers Mobiltel.

Die Ostexpansion der mobilkom

(futurezone | Erich Moechel)