05.07.2003

SHERLOCK

Software soll Verbrechen aufklären

Britische Wissenschaftler haben eine Software entwickelt, die bei der Aufklärung von Todesfällen helfen soll.

Vor allem bei komplexen Kriminalfällen soll das Programm dazu beitragen, dass nicht nur offensichtlichen Spuren und Motiven nachgegangen wird, sondern neue Zugangswege beschritten werden.

Nicht nur bei der Suche nach den Tätern, auch bei der Feststellung der Todesursache [Mord, Selbstmord, Unfall oder natürlicher Tod] soll das Programm die Ermittler unterstützen.

Kein "Verrennen" in eine Richtung

Menschliche Ermittler tendieren dazu, die These, die ihnen am wahrscheinlichsten erscheint, mit Beweisen zu untermauern zu versuchen. Dies führt oft dazu, dass Zeugen in eine Richtung hin befragt werden und andere möglicherweise ebenfalls relevante Fragen erst garnicht gestellt werden.

Das Herz der Software ist eine Datenbank, die mit einer Vielzahl an Umständen, die zum Tod einer Person führen können, gefüttert ist.

Auf dieser Grundlage kombiniert die Software die aktuellen Beweisstücke in verschiedenen Variationen und eröffnet dem Ermittler somit Zusammenhänge, die er sonst vielleicht übersehen hätte. Zugleich berechnet das Programm die Wahrscheinlichkeit jedes einzelnen Szenarios.

Dabei unterscheidet sich die Software von ihren Vorgängern darin, dass sie nicht auf das Wissen des Programmierers beschränkt ist, sondern eigene Schlussfolgerungen ziehen kann.

Test-Einsatz erst in zwei Jahren

Deutet der medizinische Bericht auf eine Hirnblutung hin, spuckt der Computer alle möglichen Ursachen, von einem Unfall bis zum Alkoholmissbrauch, einer solchen aus. Auch überlappende Szenarios werden miteinbezogen.

Und war das Opfer etwa ein alter Mann und auch noch Alkoholiker, schließt die Software Mord als Todesursache noch längst nicht aus. Damit die Spekulationen des Programms aber nicht ins Fantastische abdriften, sondern immer noch real nachvollziehbar bleiben, kontrolliert ein Datenbankabgleich, ob das Verbrechen auch wirklich so stattfinden hätte können.

Bis die Software jedoch tatsächlich in ersten Tests zur Aufklärung echter Verbrechen herangezogen werden kann, wird es voraussichtlich noch zwei Jahren dauern.