Gratis-Download-Anbieter in Turbulenzen
Ein Manager-Exodus beim Online-Musikdienst SpiralFrog lässt Zweifel am Geschäftsmodell von werbefinanzierten Downloads aufkommen.
Eigentlich hätte SpiralFrog bereits Ende vergangenen Jahres an den Start gehen sollen. Auf der Website des Unternehmens steht jedoch nach wie vor "Coming soon". Nach Angaben aus Branchenkreisen ist der Start im nächsten Monat geplant. Aber auch dieser Termin ist ungewiss. Denn SpiralFrog steht plötzlich ohne Management da.
Manager-Exodus
Ende Dezember wurde Rob Kent, der Geschäftsführer des Unterenehmens, gefeuert. Seither sind nach Angaben des Nachrichtendienstes CNET weitere fünf Manager und einige Aufsichtsräte des Unternehmens von Bord gegangen.
Ob das auch das Ende des ambitionierten Musikdienstes bedeuetet, ist vorerst unklar. Gegenüber dem Branchendienst Digital Music News gab sich das Unterenehmen wortkarg, hielt jedoch an einem baldigen Start fest.
Karges Repertoire
SpiralFrog hat bisher nur mit den Majors Universal und EMI sowie einigen unabhängigen Labels Vertriebsvereinbarungen abgeschlossen.
Das Repertoire des nicht nur in den USA von den Medien hofierten Dienstes dürfte sich also vergleichsweise karg ausnehmen.
Sektor im Schussfeld
Die Turbulenzen um SpiralFrog haben mittlerweile auch dazu geführt, das der gesamte Sektor der werbefinanzierten Downloads ins Schussfeld geraten ist.
Neben SpiralFrog wollen in den nächsten Monaten auch die Online-Tauschbörsen Qtrax und Mashboxxx durchstarten. Auch deren Geschäftsmodelle werden nun in Frage gestellt.
Restriktive Nutzungsbedingungen ...
Der Erfolg eines Dienstes wie SpiralFrog würde angesichts der von den Labels angebotenen Bedingungen überraschen, hieß es.
Die Musik würde nur zu restriktiven Nutzungsbedingunen freigegeben. Heruntergeladene Songs können etwa nicht auf CD gebrannt werden. Da sie im Format Windows Media Audio [WMA] kodiert sind, können sie nur mit damit kompatiblen Musik-Playern, nicht jedoch am iPod, abgespielt werden.
... und hohe Vorauszahlungen
Daneben müssten satte Vorschüsse auf die Lizenzzahlungen an die Labels geleistet werden, die von den Unternehmen kaum wieder eingespielt werden können, kritisierte ein britischer Musikmarketing-Experte auf der Branchen-Mailingliste Pho.
Geeignete Werbeformate gesucht
Unklar ist auch, welche Werbeformate von den Nutzern akzeptiert werden. In die Musikstücke eingebettete Werbung gilt gemeinhin als Schuss ins eigene Knie.
Auf der Musikmesse MIDEM in Cannes hieß es, dass bei einigen Diensten wohl mit an die Songs angehängten Werbeformen experimentiert werde. Daneben sollen auch die Sites und Musik-Player mit Werbung vollgepflastert werden.
Zweifel am Massen-Appeal
Verzögerungen beim Download der Songs durch die Werbung und eingeschränkte Nutzungsbedingungen würden wohl kaum für großen Zuspruch sorgen, zitiert CNet einen Musikmanager.
Ein britischer Marketingexperte bringt es in einem Posting auf der Pholist auf den Punkt: "Warum soll ich mir Werbung ansehen, wenn ich Musik aus dem Netz auch gratis bekommen kann?"
(futurezone | CNet | Digital Music News)
