23.06.2003

SPIEL & KRITIK

Bildquelle: waldt

Albernes Hüpfen vor dem TV-Schirm

Ein neues Spiel für Sonys PlayStation-2-Konsole macht derzeit wohl zu Recht Furore: Die Entwickler von London Studios haben mit "Eye Toy" ein Game entworfen, das ausschließlich über eine Kamera gesteuert wird und bei dem das Bild des Spielers zudem permanent in die Grafik eingebettet wird.

Durch Hand-, Kopf- und Körperbewegungen interagiert der Spieler hier in zwölf Sub-Spielen mit dem Game. Das Konzept funktioniert dabei erstaunlich gut, sodass trotz einiger ähnlicher Ansätze von einem wirklich neuen Konsolen-Genre gesprochen werden kann.

Dabei versteht es sich, dass beim Fuchteln und Hüpfen vor dem Fernsehbildschirm zwangsläufig eine gewisse Albernheit aufkommt. Außerdem taugen die meisten Spiele auch als Workout, denn das Boxen gegen oder das Tanzen mit Pixeln animiert zu vollem körperlichen Einsatz.

Dual-Use-Kamera

Das Spielkonzept hat unterdessen auch Vorbilder: Einigen PC-Webcams lagen bereits vor Jahren kleine Programme als Giveaways bei, bei denen ähnliche Aktionen für Unterhaltung bei den beteiligten Akteuren sorgten. Allerdings hat Sony das Konzept erstmals schlüssig und perfekt umgesetzt.

Mit dem Spiel wird eine USB-Kamera von Logitech mitgeliefert, für die aber [noch] kein Treiber für den Einsatz als normale Webcam zu finden ist. Weitere Einsatzmöglichkeiten der Konsolen-"Webcam" könnten aber beim Sony-Online-Gaming-Service liegen sowie bei speziellen Anwendungen für die zukünftigen Gamekonsolen PSX und PSP.

Noch ist auch nicht bekannt, inwieweit der Hersteller weitere Games mit Eye-Toy-Unterstützung plant.

Feuerwerk und Spiegeltricks

Die zwölf Spiele weisen teilweise extrem unterschiedliche Qualitäten auf, wobei die einfachsten Ideen oft für den meisten Spaß sorgen:

So wird das simple "Wegfuchteln" grüner Punkte in den Bildschirmecken, wobei die roten Punkte nicht getroffen werden dürfen, in dem Moment zu einer echten Herausforderungen, wenn das Bild gespiegelt und dabei auch noch auf den Kopf gestellt wird.

Beim simplen "Scheibenputzen", bei dem man sein eigenes Bild freiwischt, kann man dagegen eine neue, fast dadaistische Beziehung zum Fernseher entwickeln.

Andere Spiele greifen wiederum altbekannte Genres auf, so das Boxspiel, das zwar als Fitnesstraining sehr viel taugt, bei dem das Verlieren aber fast unmöglich ist. Das Tanzspiel hat sich unterdessen als schwerstes Spiel herausgestellt, hier ist eine extrem exakte Koordination gefragt.

Das Feuerwerkspiel ist schließlich eine Reminiszenz an das in Japan vor allem als Partyspiel extrem erfolgreiche "Fantavision".

Auch aus Österreich wird schon von ersten Partys berichtet, bei denen der Test der Koordinationsfähigkeit mittels Eye Toy in verschieden angetrunkenen Zuständen für nachhaltige Unterhaltung sorgte.