02.06.2003

RAUMFAHRT

Bildquelle: APA

65 Kilogramm High-Tech für den Mars

Die erste europäische Mars-Sonde, "Beagle 2", hat die Erde verlassen und ihre etwa 400 Millionen Kilometer weite Reise zum Roten Planeten angetreten.

Sie startete pünktlich um 19.45 Uhr MESZ mit einer russischen Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan.

Das mit 300 Millionen Euro Kosten realisierte Projekt gilt als relativ günstig - unter anderem deshalb, weil auf vertraute beziehungsweise bereits eingesetzte Hard- und Software gesetzt wird.

Die komplette Technik der Sonde wiegt nur 65 Kilogramm - ein so genannter Orbiter, der mehr als eine Tonne wiegt, bringt die Sonde huckepack ins All. Der Orbiter selbst ist auf einer Sojus-Fregat-Rakete montiert und überwacht als Proxy die Landung der eigentlichen Sonde.

Strenge Gewichtsanforderungen

Auf Grund der strengen Gewichtsanforderungen ist es nicht möglich, ein leistungsstarkes Funksystem einzusetzen. Stattdessen fungiert der Orbiter als Zwischenstation, der die "Beagle 2"-Daten zur Erde funkt.

Kritischster Moment: Die Landung

Der kritischste Moment ist die Landung. Hier vertraut die Europäische Raumfahrtbehörde [ESA] auf die Hilfe der NASA, deren Orbiter "Odyssey" sich in der Nähe befindet. Er soll eingreifen, falls die Kommunikation mit dem ESA-Orbiter fehlschlägt.

Mit Mach 31,5 in die Atmosphäre

Die Sonde soll den roten Planeten Ende Dezember erreichen und zwei Jahre lang nach Wasser und Spuren von Leben auf dem Mars suchen.

Fünf Tage vor Erreichen des Mars wird "Beagle 2" vom Orbiter abgestoßen. Ein 1,6 Kilogramm schwerer Federmechanismus wirft die Sonde aus und verleiht ihr gleichzeitig einen Drall, um die Stabilität zu gewährleisten.

Die Sonde tritt mit Mach 31,5 in die Marsatmosphäre ein und wird von einem Fallschirm abgebremst. Airbagähnliche Gebilde dämpfen den Aufprall.

Eine äußere Hülle schützt die Sonde zusätzlich. Ähnlich einer Muschel klappt die Hülle dann auf, um ungeachtet der Aufprallposition "Beagle 2" freizugeben.

Die Berechnungen werden von einem 32-Bit-Prozessor durchgeführt. Im Gegensatz zu teureren Missionen ist das System nicht mehrfach ausgeführt - das hilft, Gewicht zu sparen. Im Design wurde auf größte Zuverlässigkeit Wert gelegt.

Software statt zusätzlicher Chips

Anstatt das Gewicht durch zusätzliche Schaltkreise zu erhöhen, werden die meisten Aufgaben per Software erledigt.

Fünf Solarpanels, die zusammen einen Quadratmeter Oberfläche ergeben, sorgen zusammen mit einem Akku für die Stromversorgung.