© Thomas Bredenfeld, MIT Medial Lab @ Kunstuni Linz / Ars 2009 / Cyberflora

"Impetus": Interface-Design an Kunstuni Linz

KUNST
06.09.2009

An der Linzer Kunstuniversität sind anlässlich des diesjährigen Ars Electronica Festivals eine Reihe von Studenten, die am renommierten Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) studieren, mit ihren Arbeiten zu Gast.

In der von den US-Amerikanern Hiroshi Ishii und Amanda Parkes kuratierten Ausstellung unter dem Titel "Impetus" werden die unterschiedlichsten Ansätze des Interfacing und der praktischen Mensch-Maschine-Kommunikation auf experimentell-spielerische Weise erforscht. Wie schon in vergangenen Ausstellungen, in denen die Ars Electronica mit den verschiedensten internationalen Einrichtungen im universitären Bereich kooperierte, steht sehr viel weniger ein künstlerischer Anspruch im Mittelpunkt als vielmehr ein handwerklich-experimenteller Ansatz, was der Qualität der Arbeiten allerdings keinen Abbruch tut, ganz im Gegenteil.

Teilweise erfrischend unbelastet von inhaltlichen Fragestellungen versuchen die Studenten, die vielfältigen Disziplinen, in denen das 1980 unter anderen von Nicholas Negroponte gegründete Institut Forschung betreibt, zu verknüpfen.

"Little Bits"

Umgang mit Elektronik ohne Elektronikkenntnisse verspricht das Projekt "Little Bits". In Lego-Manier können kleine Bausteine mit magnetischen Verbindungen aneinandergefügt werden. Die Bauteile enthalten Schaltungen mit elektronischen Grundfunktionen, und die Verbindungen sind so kodiert, dass Fehler ausgeschlossen werden. Aus diesen kleinen Modulen können dann sehr simpel und schnell größere Schaltungen und kleine Geräte zusammengebaut werden. Das von der Künstlerin Ayah Bdeir entworfene System kann als sehr niederschwelliger Zugang zu Technologie verstanden werden.

"Little Bits"

"Cyberflora"

Objekte, die in vielfältiger Weise auf Annäherung von Besuchern reagieren und so eine Interaktivität jenseits des gewohnten Umgangs mit Computern und elektronischen Geräten durchspielen, gehören auf der Ars Electronica seit vielen Jahren zum Standardrepertoire. Trotzdem gibt es immer wieder Arbeiten, die sich davon abheben. Eine davon ist "Cyberflora", eine Ansammlung von Blumen aus beweglichen Metallskeletten und Elektronik, deren innere Mechanik nicht im Sinne der Imitation versteckt, sondern bewußt offenlegt und durch den Reiz des Materials und eine besonders ästhetische Ausführung ihr Innenleben selbst zum Design erklärt.

"Cyberflora"

"Living Windows"

Dass die Beschäftigung mit Interface-Technologien und Display nicht unbedingt in einer elektronischen Anwendung münden muss, zeigt die Arbeit "Living Windows". Hier hat Daniel Saakes ein neuartiges Material aus Kunststoff entwickelt, das ein Pixelraster enthält, das auf Beleuchtung aus verschiedenen Richtungen mit unterschiedlichen Bildinhalten regiert. Erstaunlicherweise arbeitet es vollkommen passiv und ohne jede Elektronik. Eine hinter dem Display schwenkbare Glühbirne erweckt es in der Ausstellung zum Leben.

"Living Windows"

Eine der interessantesten Arbeiten ist "Source Map". Vom Interfacing und von der Machart her eher eine unauffällige Standardlösung, stellen sich hier Leonardo Bonanni, Matthew Hockenberry, David Zwarg und Ishii die Frage, wo genau eigentlich alles herkommt, was materiell in unseren Konsumgütern steckt. Besonders eindrucksvoll wird das am Beispiel eines gewöhnlichen Laptops demonstriert.

"Source Map"

Eine Google-Maps-Applikation zeigt die Wege der Bestandteile und der Transporte von Halbfertigprodukten, eine Liste mit Menge und Herkunft von Rohmaterialien wie Edelmetallen, Kunststoffen und seltenen Mineralien wie Coltan, das zum Beispiel aus politisch unruhigen Gegenden stammt. Für jeden Bestandteil wird ein ökologischer Fußabdruck berechnet, abhängig von Gewinnung sowie Transportweg und -mittel. Wenn man dort liest, dass 0,1 Gramm Silber aus Chile für ein Notebook über vier Kilo CO2-Ausstoß verursachen, wird klar, dass "Source Map" ein Hilfsmittel für die Bildung ökologischen Bewusstseins werden kann.

(Thomas Bredenfeld)