Iran: Regime zerstört Sat-Empfangsanlagen
Laut der Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker lässt das iranische Regime nun auch Sat-Empfangsanlagen von Privatpersonen zerstören. Die Organisation wirft westlichen Konzernen vor, den Iran mit Überwachungstechnologie zu versorgen.
Iranische Sicherheitskräfte haben in kurdischen Ortschaften an der iranisch-irakischen Grenze gezielt Satellitenanlagen zerstört, offenbar um den Fernseh- und Rundfunkempfang ausländischer Sender zu unterbinden. Das berichtete die Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Dienstag in einer Aussendung.
Polizisten sollen in mehreren Städten Satellitenschüsseln und Empfangsteile demoliert haben, berichteten Mitarbeiter der internationalen Menschenrechtsorganisation, die im kurdischen Teil des Irak ein Büro unterhält. Die betroffene Bevölkerung könne sich nun nur noch im Internet informieren, erklärte der Nahost-Referent der GfbV, Kamal Sido. "Das ist für sie jedoch gefährlich, weil das Regime ein sehr ausgeklügeltes Internet-Überwachungssystem betreibt."
Totale Kontrolle
So müssten alle Internet-Anbieter die Datenverbindungen über einen einzigen Knotenpunkt, das staatliche "Telekommunikationsunternehmen des Iran" (TCI), herstellen. Mit einer Ausrüstung der Firma Nokia Siemens Network, einem Joint-Venture-Unternehmen der deutschen Siemens AG und der finnischen Nokia Corp., könne das TCI nicht nur Websites blockieren und Verbindungen abschalten, sondern auch die individuelle Kommunikation kontrollieren, Absender und Empfänger identifizieren und Bewegungen einzelner Nutzer im weltweiten Datennetz nachvollziehen. Außerdem hat das Regime die Entwicklung einheimischer Filter- und Überwachungsprogrammen gefördert, so dass Online-Inhalte wie in China durch landeseigene Technologie kontrolliert werden.
Berichten iranischer Menschenrechtsgruppen zufolge sind derzeit 41 Journalisten, vier Blogger und ein französischer Student inhaftiert, die Bilder und Nachrichten über Protestaktionen per E-Mail versendet haben. Die iranische Bloggerszene besteht aus etwa 60.000 Aktiven. Im Iran gibt es rund 23 Millionen Internet-Anschlüsse. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl wurden mindestens 38 neue Websites im Iran zensuriert, einschließlich der persischen BBC, die die populärste ausländische Internet-Seite des britischen Nachrichtensenders ist.
(APA)
