Massiver Gewinneinbruch bei Microsoft
Dem weltgrößten Software-Konzern Microsoft macht die Wirtschaftskrise weit mehr zu schaffen als erwartet. Der Gewinn des US-Riesen brach im vierten Geschäftsquartal um fast 30 Prozent ein. Grund für den Gewinnrückgang sei die Flaute auf dem weltweiten PC- und Server-Markt. Vor allem die Windows-Sparte brach massiv ein.
Der Nettogewinn schrumpfte demnach im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 29,1 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar (2,1 Mrd. Euro). Der Umsatz fiel im vierten Geschäftsquartal (April bis Juni) um 17 Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar (9,1 Mrd. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss am Sitz in Redmond (US-Bundesstaat Washington) mitteilte.
Microsoft verzeichnete zum ersten Mal seit Bestehen einen sinkenden Jahresumsatz (minus 13 Prozent) im Bereich des Windows-Betriebssystems, dem wichtigsten Geschäftzweig des Unternehmens. Die Server-Division konnte im Gesamtjahr hingegen beim operativen Ergebnis von 4,5 Milliarden auf 5,3 Milliarden Dollar und beim Umsatz von 13,1 auf 14,1 Milliarden Dollar zulegen.
Windows-Sparte bricht ein
Im Jahresvergleich blieb das operative Ergebnis der Server-Division im vierten Quartal annähernd stabil, während sie in der Client-Division (Windows) um 33 Prozent auf 2,167 Mrd. Dollar einbrach (Vorjahr: 3,25 Milliarden Dollar). Die Business Division (Office, Microsoft Dynamics Business Solutions) verzeichnete einen Umsatz von 4,56 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal: 5,26 Milliarden) und ein operatives Ergebnis von 2,8 Milliarden Dollar (3,35 Milliarden Dollar.)
Verluste bei Web und Unterhaltung
Die Entertainment und Devices Division, zu der neben der Xbox 360 und den PC-Games auch der Zune-Player gehören, konnte ihren operativen Verlust auf 130 Millionen Dollar verringern. Die Preissenkungen für die Konsole konnten durch höhere Umsätze des Online-Services Live zum Teil aufgewogen werden, erklärte Microsoft. Im letzten Quartal verkaufte Microsoft 1,2 Millionen Xbox 360 Konsolen. Im Gesamtjahr verzeichnete die Abteilung einen operativen Gewinn von 169 Millionen Dollar und einen Umsatz von 7,75 Milliarden Dollar (Vorjahr: 8,2 Milliarden Dollar.)
Microsofts Abteilung für Online-Aktivitäten (Werbung, Web-Suche, Hotmail, Instant Messaging) vergrößerte ihren operativen Quartalsverlust auf 732 Millionen Dollar (Vorjahr: 485). Im Gesamtjahr verdoppelte sich operative Verlust um 84 Prozent auf 2,25 Milliarden Dollar.
Alle sechs Microsoft-Sparten gemeinsam konnten im vierten Quartal ein operatives Ergebnis von 3,9 Milliarden Dollar (Vorjahr: 5,7 Mrd. Dollar) erwirtschaften, im Gesamtjahr 20,4 Milliarden Dollar (Vorjahr: 22,3 Milliarden Dollar).
Analysten sehr enttäuscht
Mit seinen Zahlen blieb der Konzern klar unter den Erwartungen der Analysten. Die Anleger zeigten sich sehr enttäuscht. In einer ersten nachbörslichen Reaktion brachen Microsoft-Titel um acht Prozent ein. "Unser Geschäft wurde erneut von der Schwäche auf dem weltweiten PC- und Server-Markt negativ beeinflusst", sagte Finanzchef Chris Liddell. Vor allem die schwache Nachfrage aus dem Geschäftskundenbereich belaste das Ergebnis, so Microsoft.
18 Prozent Gewinnrückgang
Im gesamten Geschäftsjahr 2008/2009 (30.6.) fiel der Umsatz um drei Prozent auf 58,4 Milliarden Dollar. Der Gewinn sackte um fast 18 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar ab.
Microsoft bereitet sich auf den Verkauf seines neuen Betriebssystems Windows 7 vor, der am 22. Oktober startet. Liddell meinte, dass allein mit der Freigabe der Release-Version keine Besserung bei den PC-Verkäufen zu erwarten sei. Schätzungsweise 90 Prozent aller Personal Computer weltweit laufen mit einem Betriebssystem von Microsoft. Der Start von Windows 7 belastete mit dem Ende Juni gestarteten Upgrade-Programm das vierte Quartal um 276 Millionen Dollar.
(dpa/Reuters/AP/futurezone)
