Hinrichtungsvideo als PR-Desaster
Nach seinem Tod ist Saddam Hussein im Netz so populär, wie er zu Lebzeiten niemals war. Die Video-Tauschbörse YouTube geht vor Saddam-Clips über, das Geheimvideo seiner Hinrichtung wächst sich zum Desaster für die irakische Regierung aus. Die sagt: "Das hätte nicht passieren dürfen" - denn bei der Hinrichtung herrschte Handyverbot.
Dazu kommen die Videos der Flash-Satiriker, die Saddam auf dem Weg zur Hölle oder im Gespräch mit dem Teufel zeigen - die volkstümlichen Motive und Allegorien des Mittelalters nun eben als Internet-Video.
Mehr als 4000 Treffer finden sich bei der Suche nach "Saddam" auf YouTube, fast ebensoviele Fotopages sind auf Flickr.com, die sich allesamt mit der Person Saddam Hussein befassen. Das gibt schon eine Ahnung, welch weite Kreise dieses PR-Desaster der irakischen Regierung - und damit der Amerikaner - zieht.
Eindruck des Fememords
Schlimmer als mit diesem Video, das die Sprengkraft der Bilder aus dem Foltergefängnis Abu-Ghraib noch weitaus übertrifft, konnte es von der Öffentlichkeitswirksamkeit her kaum kommen.
Verwackelte Bilder eines Kamerahandys, dazu O-Töne von maskierten Henkern, die einen gefasst wirkenden Todeskandidaten unter dem Galgen beschimpfen und den Namen seines größten Gegners skandieren, vermitteln den Eindruck eines Fememords und nicht den einer gerichtlich angeordneten Exekution.
"Saddam, der Märtyrer" ...
Dementsprechend ist in den Untertiteln bereits da und dort die Rede, die "Perser und die Amerikaner haben Saddam umgebracht".
Hussein selbst, der bereits im ersten Golfkrieg mit den internationalen Medien gekonnt gespielt hatte, indem er Peter Arnett von CNN, also den Korrespondenten einer feindlichen Macht, weiter aus Bagdad berichten ließ, stilisierte sich für seinen allerletzten Auftritt als "Märtyrer".
Der ehemalige CIA-Agent und Irak-Kenner Robert Baer titelte seinen Kommentar für die Website der US-Zeitschrift "Time" gleich mit "Saddam, der Märtyrer".
... war "Saddam, der Henker"
Wenn die Umsetzung dieses Images gelingt, handelt es sich um einen der den größten politischen PR-Coups des Informationszeitalters: Wenn nämlich aus einem skrupellosen Kriegstreiber und Massenmörder posthum ein Märtyrer für den Glauben wird.
Baer ist der Ansicht, dass sich dieses Image wenigstens unter der sunnitischen Bevölkerung des Irak langsam durchsetzt. Teile der Bevölkerung sehen Saddams Gewaltherrschaft im Vergleich zur Bürgerkriegsgegenwart mittlerweile schon jetzt als eine Art Goldenes Zeitalter an.
Handyverbot
"Das hätte nicht passieren dürfen", sagte ein Sprecher des irakischen Ministerpräsidenten in Bagdad der Nachrichtenagentur Reuters. Bevor man in "den Raum gegangen" sei - also den Ort der Hinrichtung - "hatten wir eine Abmachung, dass niemand ein Mobiltelefon dabeihaben sollte"
(futurezone | Erich Moechel)
