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Web-Radios einigen sich mit Rechteverwertern

USA
08.07.2009

Nach zwei Jahren harten Verhandlungen haben sich US-Rechteverwerter und Online-Musikdienste auf neue Strukturen für Tantiemenzahlungen geeinigt. Dienste wie Pandora, die sich zuvor in ihrer Existenz bedroht sahen, können nun aufatmen.

"Wir haben das Schlimmste hinter uns", sagte Pandora-Gründer Tim Westergren dem "Wall Street Journal" ("WSJ"). Er sieht den Betrieb seines Dienstes durch den Kompromiss nun "auf Jahre" sichergestellt.

Größere Dienste zahlen mehr

Die Einigung zwischen Vertretern der Streaming-Dienste und des Rechteverwerters Sound Exchange sieht vor, dass größere Dienste mit einem Jahresumsatz von mehr als 1,25 Millionen US-Dollar 25 Prozent ihres Bruttoumsatzes abführen, mindestens jedoch 0,093 US-Cent pro Hörer und Lied zahlen - bis 2015 sollen es 0,14 US-Cent werden.

Dienste mit einem Umsatz von bis zu 1,25 Millionen US-Dollar pro Jahr müssen sieben Prozent ihrer Ausgaben abführen oder einen Anteil ihres Umsatzes, wobei die Quote für 2009 bei zwölf Prozent für die ersten 250.000 Dollar Umsatz beträgt.

Dienste, bei denen die Konsumenten monatliche Abonnementgebühren zahlen, müssen 0,15 Cent pro Song und Nutzer im Jahr zahlen, hier soll der Tarif bis 2015 auf 0,25 Cent steigen.

Pandora: "Trinkgeld" von Vielnutzern

Pandora will angesichts der neuen Tarife von seinen intensivsten Nutzern, die mehr als 40 Stunden pro Monat an der kostenlosen Version des Streaming-Systems hängen, bei Erreichen dieses Limits 99 US-Cent verlangen, damit sie den Rest des Monats weiter hören können. Das sei "ein Trinkgeld", so Westergren.

Umstrittener Tarifvorschlag ist Geschichte

Im März 2007 hatte ein Gremium von US-Bundesrichtern, das Copyright Royalty Board, eine neue Struktur für Tantiemenzahlungen von Online-Musikdiensten an die Rechteinhaber vorgelegt. Nach dieser Struktur hätten die Online-Dienste ab 2010 0,19 US-Cent pro Nutzer und Musikstück zahlen sollen. Zuvor war der Tarif bei 0,08 Cent gelegen. Gerade individualisierte Streaming-Dienste wie das nur in den USA verfügbare Pandora wären, laut Aussagen von deren Management, durch den Vorschlag des Copyright Royalty Boards aus dem Geschäft gedrängt worden.

Die Zahlen muten zwar auf den ersten Blick gering an, aber laut "Wall Street Journal" wird Pandora im laufenden Jahr wohl rund eine Milliarde Stunden Musik übers Netz senden. Die neue Struktur hätte auch den Markteintritt von neuen Diensten behindert, da kleine Unternehmen genauso viel hätten abführen müssen wie Großkonzerne.

US-Webcaster haben nun 30 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob sie die neuen Tarife akzeptieren. Die Vereinbarung betrifft nur reine Streaming-Dienste, Online-Streams herkömmlicher Radios sind davon nicht betroffen.

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