20.05.2003

MICROSOFT

Bildquelle: Glo

"Klo-Affaire" offenbart MS-PR-Schwächen

Die Internet-Toilette "iLoo" hat sich zu einem waschechten PR-Desaster für Microsoft entwickelt, das jetzt zu harscher Selbstkritik geführt und die Öffentlichkeitsarbeit des Software-Konzerns in heftige Turbulenzen gestürzt hat.

Dabei erscheint auch das MS-Dementi vom April, die Entwicklung einer eigenen Suchmaschine betreffend, in einem anderen Licht.

Gleich drei Vertreter der Firmenzentrale in Redmond bei Seattle erklärten in der vergangenen Woche, dass es sich bei der Londoner Mitteilung zur Internet-Toilette um einen Scherz gehandelt habe. Einen Tag danach wurde aber auch diese Darstellung wieder zurückgenommen.

Das "iLoo"-Projekt, die Entwicklung eines Internet-Zugangs in einer mobilen Toilette, hat es tatsächlich gegeben. Die öffentliche Resonanz auf die Meldungen hat Microsoft dann aber veranlasst, diesen Plan wieder fallen zu lassen.

"Definitiv nicht unsere Art"

Inzwischen interessiert sich die internationale Presse gar nicht mehr für die Befriedigung digitaler Bedürfnisse im "Dixie-Klo". Das eigentliche Thema ist jetzt die Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens, das sonst peinlich genau auf den Inhalt jeder Pressemitteilung achtet.

"Das ist definitiv nicht die Art, wie wir uns PR vorstellen", räumte sogar die Produktmanagerin von Microsoft Network [MSN] in Redmond, Lisa Gurry, ein. Die internen Kommunikationsprozesse müssten jetzt genau überprüft werden.

Ein Microsoft-Mitarbeiter in Großbritannien habe der Zentrale in Redmond zunächst mitgeteilt, dass es sich beim "iLoo" um einen Scherz gehandelt habe, erklärte Gurry.

Nach weiteren Gesprächen mit den Kollegen auf der Insel sei man dann aber zu dem Schluss gekommen, dass es sich doch um ein echtes Projekt gehandelt habe. MSN in Großbritannien habe sich davon einen netten Marketing-Erfolg versprochen. Erst die Resonanz in der Öffentlichkeit stimmte die Manager um.

Gegen Google oder nicht

Die in der "Klo-Affaire" offenbarten Probleme der MS-Unternehmens-Kommunikation lassen auch die Aussagen zu einer eigenen Suchmaschine in einem anderen Licht erscheinen:

MSN-Marketing-Chef Bob Visse hatte Anfang April explizit davon gesprochen, dass man Google "immer mehr" als Konkurrenten betrachte. Gleichzeitig betonte Visse, dass sein Konzern "den Kunden ein besseres Such-Tool bieten" könne.

Seine Stellvertreterin Malina Bragg sagte allerdings zwei Wochen später, dass diese Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen und daher allgemein missverstanden worden seien.