Parallelnutzung von Web und TV steigt
Das Gerücht, dass junge Mediennnutzer aufs Fernsehen verzichten und nur noch im Internet unterwegs sind, scheint sich nicht zu bewahrheiten: Internet und Fernsehen werden zunehmend gleichzeitig konsumiert.
Vor etwa zehn Jahren gab es Studien, die dem Internet ein rasantes Wachstum und den "klassischen Medien" ein zähes Ende vorausgesagt haben. "Das Internet ist eine Bedrohung für die anderen Medien", interpretierte Jill Frankle, Analystin beim US-Marktforschungsunternehmen Gomez.com, damals Studienergebnisse aus dem Jahr 2000.
Knapp zehn Jahre später ist man sich dessen nicht mehr so sicher: Das Internet werde konventionelle TV-Programme nach Meinung von Fernsehmachern nicht verdrängen, sondern weiter ergänzen. "Mit stärkerer Internet-Nutzung hat sich auch die TV-Nutzung erhöht", sagte der Fernsehforscher des US-Senders NBC, Horst Stipp, erst im April dieses Jahres.
Deutlicher Anstieg bei der Parallelnutzung
Jetzt belegt eine neue Studie, dass immer mehr - vor allem junge - Europäer parallel zum Fernsehen auch im Internet unterwegs seien und das Fernsehen keineswegs vom Internet verdrängt werde. Die Studie wurde zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Meldung allerdings noch nicht im Internet publiziert.
Mit einem Anteil von inzwischen 22 Prozent unter den Befragten sei die Gruppe der "Multitasker" im Vergleich zum Vorjahr europaweit deutlich um 38 Prozent gestiegen. In Deutschland nutzte demnach bereits jeder Fünfte neben dem Fernsehen auch Online-Netzwerke und Instant Messaging. Das teilte der Branchenverband der Online-Vermarkter, EIAA, am Donnerstag mit.
"Multitasker" zwischen 16 und 35
Die Mehrheit der "Parallelnutzer" sei europaweit unter 35 Jahre alt. Insgesamt seien in Europa 44 Prozent der 16- bis 24-Jährigen und 39 Prozent der 25- bis 34-Jährigen vor dem Fernsehbildschirm gleichzeitig auch im Netz unterwegs.
Die Gruppe der Parallelnutzer zeichne sich auch als besonders einkaufsfreudige Zielgruppe aus. Für die Studie wertete der Verband im September 2008 mehr als 9.000 Interviews in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Belgien und den Niederlanden aus. Die EIAA vertritt unter anderem Medienhäuser wie Gruner + Jahr, das Soziale Netzwerk LinkedIn, Microsoft Advertising, das Internet-Unternehmen Yahoo und den Mobilfunkprovider Vodafone.
(dpa/APA/futurezone)
