© Fotolia/ProfphotoXL, Bild einer Festplatte

Datenskandal erschüttert Royal Air Force

GROSSBRITANNIEN
25.05.2009

Das britische Verteidigungsministerium hat einen schweren Verlust persönlicher Daten aus Sicherheitschecks der Royal Air Force (RAF) monatelang gegenüber Regierungsmitgliedern, Parlament und Öffentlichkeit verschwiegen. Betroffen sind rund 500 Datensätze mit Informationen über Gesundheitszustand, Sexualgewohnheiten und Finanzgebaren hoher RAF-Offiziere.

Im September 2008 wurden aus dem RAF-Stützpunkt in Innsworth, Gloucestershire, drei Festplatten mit, je nach Quelle, 50.000 bis 70.000 Personaldatensätzen gestohlen. Während Luftwaffe und Verteidigungsministerium diesen Diebstahl mitteilten, verschwiegen sie allerdings, dass sich auf den Festplatten rund 500 Datensätze aus Personalbefragungen für die Zulassung zu höheren Sicherheitsstufen befanden.

Das haben die BBC und die Tageszeitung "The Guardian" am Montag berichtet. Die Datensätze standen zum Transfer ins RAF-Hauptquartier in High Wycombe, Buckinghamshire, bereit.

Diese Dateien, die noch dazu nicht verschlüsselt worden waren, enthielten sehr sensible Details zu den befragten Personen, berichtet die BBC. Bei den Sicherheitschecks wurde nach Details in den Biografien der Kandidaten gefragt, die diese erpressbar machen könnten, etwa nach Vorstrafen, Drogenabhängigkeit, Gesundheitszustand, Schulden und Sexualleben.

Beamte verschwiegen Diebstahl

Dieser Datenverlust wurde nun bekannt, nachdem sich ein ehemaliger RAF-Offizier auf Grundlage der britischen Transparenz- und Datenschutzgesetze (Freedom of Information Act bzw. Data Protection Act) vom Verteidigungsministerium eine interne Notiz hatte herausgeben lassen, in der die Datensätze und deren Verschwinden dokumentiert sind.

Aus der internen Notiz gehe auch hervor, dass die beteiligten Beamten des Verteidigungsministeriums beschlossen haben, "aufgrund der mangelnden medialen Aufmerksamkeit" den mutmaßlichen Diebstahl der Sicherheitscheck-Daten nicht dem Parlament mitzuteilen. Auch der damalige Verteidigungsminister Des Browne, der allerdings bereits am 3. Oktober von John Hutton abgelöst worden war, sei nicht über den Verlust der 500 Sicherheitsprüfungsdatensätze informiert worden, ebenso wenig die Datenschutzbehörde.

Bisher kein Erpressungsversuch

Der "Guardian" zitiert ein Antwortschreiben des Ministeriums, in dem dieses darauf hinweist, dass die betroffenen Personen aus den Sicherheitschecks in Gesprächen unter vier Augen auf den Datenverlust aufmerksam gemacht worden seien. Für die Betroffenen aus den restlichen Datenverlusten sei eine telefonische Hotline eingerichtet worden.

Das Ministerium bestätigte, dass vom Verlust der Sicherheitsprüfungsdaten auch höchste Offiziere betroffen seien. Bisher sei allerdings noch kein Versuch unternommen worden, besagte Personen mit den gestohlenen Daten zu erpressen.

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