Deutsche Telekom spionierte Bankdaten aus

SPITZELAFFÄRE
18.05.2009

Die Deutsche Telekom hat laut "Handelsblatt" über Jahre hinweg die Bankkonten von Mitarbeitern und weiteren Personen durchleuchten lassen.

Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom (DT) erreicht laut "Handelsblatt" eine neue Dimension. Neben Telefondaten von Aufsichtsräten und Journalisten hat der Konzern auch die Bankkonten von Mitarbeitern, deren Angehörigen und Dritten durchleuchten lassen, berichtete die Zeitung am Montag unter Berufung auf Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft und interne DT-Unterlagen.

Das Ausmaß der Bespitzelungsaktion wurde nicht beschrieben, betroffen seien Konten von Deutscher Bank, Postbank und HypoVereinsbank, hieß es. Die Staatsanwaltschaft Bonn wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

"Externe Ermittlungen"

Auch ein Sprecher der Deutschen Telekom wollte den Stand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht kommentieren. Er könne nur erneut - wie bereits im Februar - darauf verweisen, dass nach internen Rechercheergebnissen die frühere Abteilung Konzernsicherheit mindestens seit dem Jahr 2000 Ermittlungsdienstleistungen an die Privatdetektei Argen und drei andere Dienstleister vergeben habe. Darauf wiesen SAP-Rechnungsauszüge mit Angaben wie "externe Ermittlungen" hin. Zum konkreten Inhalt der Aufträge könnten aber wegen der dünnen Aktenlage kaum Aussagen gemacht werden.

Im Februar hatte die Bonner Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume der Kölner Privatdetektei Argen im Zusammenhang mit der DT-Spitzelaffäre durchsucht. Anfang März war bekanntgeworden, dass die Deutsche Telekom wie die Deutsche Bahn Bankdaten von Mitarbeitern mit denen ihrer Geschäftspartner abgeglichen hatte. Damals hatte es geheißen, die Überprüfung im Frühjahr 2006 habe nur Testzwecken gedient und sei mit dem Datenschutzbeauftragten des Konzerns sowie dem Betriebsrat abgestimmt gewesen.

Topmanager belastet

Bereits am Wochenende hatten "Spiegel" und "Handelsblatt" berichtet, dass der frühere Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Zumwinkel und Ex-Vorstandschef Kai-Uwe Ricke schon früher als bisher bekannt über die Bespitzelung von Journalisten und Aufsichtsräten informiert waren. Ricke ließ dazu am Wochenende erklären, dass er nie von illegalen Praktiken gewusst habe.

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(dpa)