Roboter-Wettrennen zum Mars
"Beagle 2" sieht aus wie eine fliegende Untertasse und soll genau wie eine solche zu Weihnachten sanft auf den Mars schweben. Gleich bei ihrer ersten Mars-Mission wollen die Europäer mit Hilfe des kleinen Roboters eine Frage beantworten, welche die Menschheit seit Jahrhunderten beschäftigt: Gab es Leben auf dem Mars?
Noch wartet der unscheinbare Roboter im russischen Weltraumbahnhof Baikonur auf den Start zum Roten Planeten. "Mars Express" soll am 2. Juni losfliegen. Dann tritt Europa mit den USA in einen Millionenwettlauf ein, um mögliche Wasserquellen auf dem Mars zu entdecken.
Einen Monat später klappt das günstige Zeitfenster wieder zu, innerhalb dessen der erdähnlichste Planet in unserem Sonnensystem rasch erreicht werden kann.
Der Rote Planet nähert sich der Erde immer weiter und wird am 27. August noch 55.758.006 Kilometer entfernt sein - so nah wie zuletzt vor 73.000 Jahren, als noch Neandertaler auf Erden wandelten. Zudem spürte die US-Raumagentur NASA auf dem Mars Spuren von Wasserstoff auf, dem Grundstoff jedes Lebens. Nun vermuten Forscher, der rostrote Boden des Planeten könnte ausgedehnte Eisfelder enthalten, vor allem in einem weiträumigen Gebiet rund um seinen Südpol.
ESA-Sonde "Mars Express" soll im Mai startenBohren und durchleuchten
Ob es tatsächlich Wasser auf dem Mars gab, soll "Beagle 2" etwa ein halbes Jahr im Gestein nördlich des Mars-Äquators erkunden. Vor einem möglichem Aufprall auf der kraterarmen Ebene Isidias Planitia ist der Roboter mit Airbags geschützt, Proben kann er über einen Greifarm entnehmen.
Frostigen Mars-Temperaturen von nachts minus 70 Grad Celsius und Staubstürmen soll der nach dem Forschungsschiff von Charles Darwin benannte "Beagle 2" widerstehen.
"Mars Express" soll nicht untätig bleiben, nachdem die Sonde den an ein überdimensionales Uhrengehäuse erinnernden britischen Lander ausgesetzt hat. Bis in fünf Kilometer Tiefe soll ihr radarähnliches System "Marsis" nach Spuren von Wasser und Eis suchen.
Genauer als je zuvor soll die Oberfläche des Planeten fotografiert werden. Die umfangreichen Daten sollen dann zur Erde gefunkt werden - jeweils angekündigt von der Erkennungsmelodie aus einem eigens komponierten Song der Britpop-Gruppe Blur.
Europas auf rund 330 Millionen Euro taxierte erste Mars-Mission soll am 2. Juni für 19.45 Uhr MESZ an Bord einer russischen Sojus-Rakete beginnen. Wenige Tage später startet die NASA ihre Roboterfahrzeuge "Mars Explorer Rover A" und "Rover B". Auch sie sollen vor allem Wasser finden. Zuletzt musste der Abflug von Rover A wegen Kurzschlussgefahr verschoben werden. Die Europäer hatten ebenfalls noch am Erdboden mit technischen Problemen zu kämpfen: Bei letzten Tests in Toulouse fiel eines der hoch empfindlichen Elektronikmodule aus. "Natürlich" sei es der am schwierigsten aus der Sonde zu entfernende Teil gewesen, sagt ESA-Projektmanager Rudi Schmidt. Die eigentlich für Mai geplante Mission musste verschoben werden.
Mars-Site der NASA
