Infineon verlagert Sparte nach Villach
Infineon will seine Sparte Automobil- und Industrieelektronik nach Villach verlagern.
Damit nimmt der von dem Konzern diskutierte Umbau - der eine mögliche Verlagerung des Firmensitzes aus Deutschland umfasst - erste konkrete Formen an.
"Die Verlagerung der Automotive-Sparte ist der Anfang, weitere Schritte werden folgen. [...] Jetzt ist der günstigste Zeitpunkt, das Unternehmen neu aufzustellen", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher der "Süddeutschen Zeitung" in einem am Montag vorab veröffentlichten und redaktionell bearbeiteten Interview. "Wir erwarten gewaltige Synergien."
Die Verlagerung ist nach Worten eines Konzernsprechers jedoch nicht primär steuerlich motiviert, sondern dient dazu, Prozesse und Kommunikationswege innerhalb der Division zu verkürzen.
"Das ist keine steuerliche Frage, das ist vor allem eine Bündelung von Kompetenzen", sagte der Sprecher. Infineon hat in Hinblick auf die seit Monaten diskutierte Verlagerung des Firmensitzes ins Ausland stets argumentiert, dort sei eine deutlich geringere Steuerbelastung zu realisieren. Angaben zur weiteren Strategie will Infineon am Dienstag auf einer Pressekonferenz in München machen.
Infineon will angeblich in die Schweiz ziehenUmzug geplant
"Wir arbeiten dort [in Villach] zum Beispiel sehr kooperativ und undogmatisch mit dem Betriebsrat zusammen", begründete Schumacher in dem Interview den Umzug. "Außerdem gibt es steuerliche Vorteile bei der Absetzbarkeit von Forschungsausgaben."
Dem Bericht zufolge entwickeln und fertigen bereits heute rund 2.000 Beschäftigte in Villach für den Automotive-Bereich. In München seien etwa 400 Mitarbeiter beschäftigt.
In den nächsten Monaten sollten nun die Führungsspitze der Sparte und mindestens 50 bis 70 Entwickler aus München nach Villach umziehen. "Der Umzug soll in einem halben Jahr abgeschlossen sein", zitierte die Zeitung Automotive-Chef Reinhard Ploss. "Ich rechne schon mit einigem Widerstand [der Arbeitnehmer], aber wir werden das gemeinsam lösen."
Die Automotive-Sparte hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/02 rund 23 Prozent zum Umsatz beigesteuert und ist der einzige Bereich, der seit längerem kontinuierlich schwarze Zahlen schreibt. Infineon beschäftigt etwa die Hälfte seiner rund 30.400 Mitarbeiter in Deutschland. Zuletzt hatte Schumacher bereits die Buchhaltung nach Portugal verlagert.
