Zwist um Online-Musikverkaufszahlen
Eine Studie der US-Marktforscher Forrester Research sieht den Musikverkauf im iTunes Music Store "kollabieren". Der kalifornische Computerkonzern Apple bestreitet das.
Forrester Research ließ vergangene Woche mit einer Studie aufhorchen, die einen drastischen Rückgang der Musikverkäufe im iTunes Music Store im ersten Halbjahr dieses Jahres auswies.
65 Prozent weniger Einnahmen
Von Jänner bis Juni, schrieben die Marktforscher, seien die Verkaufszahlen im iTunes Music Store monatlich um 58 Prozent zurückgegangen.
Da pro Kauf auch um 17 Prozent weniger Geld ausgegeben wurde, musste der iTunes Music Store monatliche Einnahmenverluste von 65 Prozent verkraften, so die Marktforscher.
Durchschnittlich hat Apple pro verkauften iPod laut Forrester Research lediglich 20 Songs verkauft. Als Basis dienten dem Marktforschungsunternehmen rund 3.000 Kreditkartentransaktionen in den USA.
"Einfach unrichtig"
Apple bezeichnete den Bericht unterdessen als "einfach unrichtig". Der Konzern wollte jedoch keine genauen Umsatzzahlen nennen. Der iTunes Music Store habe im vergangenen Quartal Gewinne geschrieben, teilte das Unternehmen mit.
Seit seinem US-Start im April 2003 wurden über den iTunes Music Store rund 1,5 Milliarden Songs und zig Millionen TV-Shows und Filme verkauft.
Viertgrößter Musikhändler in den USA
In den USA würden sechs Prozent der gesamten Musikverkäufe über den iTunes Music Store abgewickelt, sagte ein Apple-Sprecher. Apple sei damit der viertgrößte Musikhändler in den USA.
Auch Marktbeobachter zweifeln
Auch Marktbeobachter können die Forrester-Zahlen nicht nachvollziehen. Von einem derart dramatischen Rückgang könne keine Rede sein, schreibt Carl Howe vom britischen Marktforschungsunternehmen Blackfriars.
Apple habe in den vergangenen zwölf Monaten eine Milliarde Songs verkauft. Sowohl die Musikverkäufe über den iTunes Music Store als auch der iPod-Absatz wiesen stetige Wachstumszahlen aus, schreibt Howe in einem Artikel für das Online-Branchenmagazin Seeking Alpha.
Wachstumsdelle im Online-Musikmarkt
Tatsächlich dürfte jedoch der gesamte Online-Musikmarkt in den USA mit Wachstumsproblemen zu kämpfen haben. Eine Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen Soundscan wies vor kurzem einen Rückgang der Verkäufe in den vergangenen Quartalen aus.
Wurden in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch rund 144 Millionen Songs über das Netz verkauft, so waren es in den beiden darauf folgenden Quartalen nur noch 137 Millionen.
Marktbeobachter machen dafür unter anderem das Formatchaos auf dem Online-Musikmarkt verantwortlich.
Die sinkenden Verkaufszahlen könnten nach Meinung von Experten schon bald dazu führen, dass Kopierschutzbeschränkungen im Online-Musikgeschäft fallen.
