Mapuche klagen Microsoft

eigentum
23.11.2006

Das in Chile ansässige indigene Volk der Mapuche hat Microsoft geklagt, weil die Firma Windows in der Mapuche-Sprache herausgebracht hat.

Mapuche-Sprecher Aucan Huilcaman sagte am Donnerstag in der chilenischen Hauptstadt Santiago: "Microsoft und das chilenische Bildungsministerium haben uns übergangen. Niemand hat mit uns über das Projekt gesprochen. So geht das einfach nicht."

Microsoft hatte im Oktober Windows in der Mapuche-Sprache Mapudungun herausgebracht. Insgesamt sprechen zwischen 200.000 und 400.000 Chilenen diese Sprache. Microsoft sagte, es wollte den Mapuche "ein Fenster zum Rest der Welt öffnen, damit alle auf die kulturellen Reichtümer dieses Volkes zugreifen können".

"Kulturelle Piraterie"

Die Mapuche-Vertreter schickten daraufhin Bill Gates einen offenen Brief, in dem sie ihm "kulturelle Piraterie" vorwarfen. Microsoft habe sich ohne ihre Zustimmung oder Mitwirkung ihre Sprache angeeignet.

Das Volk der Mapuche musste unter der Diktatur des chilenischen Militärmachthabers Augusto Pinochet unter zahlreichen Schikanen leiden.

Die Klage eröffnet einen interessanten Blickwinkel auf die speziell von westlichen Konzernen wie Microsoft vertretene Auffassung von Kulturgütern als "geistiges Eigentum". Wem gehört eine Sprache? Und wer nimmt die Lizenzgebühren dafür?

Microsoft wollte sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern.

(Reuters | futurezone)