Immer weniger Nutzer wollen "Adonis"
Das bundesweite neue Behördenfunknetz Adonis scheint einmal mehr zu wanken. Wie die "Presse" berichtet, sollen zahlreiche Blaulichtorganisation bereits abspringen.
Von ursprünglich erwarteten 80.000 Nutzern bei Polizei, Militär, Rettung, Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen soll der Kundenkreis für die Betreiberfirma Master-Talk, ein Joint-Venture von Siemens, Wiener Stadtwerken, Raiffeisen und Verbund, dürfte auf 40.000 Nutzer geschrumpft sein.
Im Innenministerium soll laut "Presse" bereits ein Ausstiegsszenario mit Betreiberwechsel überlegt werden.
Ende 2003 Wien und NÖ versorgt
Das Funknetz soll Anfang April in Probebetrieb gehen, bis Ende
des Jahres sollen Wien und Niederösterreich erschlossen sein.
Spätestens im April 2005 soll das Netz österreichweit funktionieren.
Master-TalkMaster-Talk dementiert
Grund für die Zweifel des Innenministeriums sei, dass mit der sinkenden Kundenzahl auch die Kosten für das Ressort steigen würden. Die Rechnung von 1.000 Euro Betriebskosten pro Gerät und Jahr gingen offenkundig nicht auf.
Experten befürchteten den dreifachen Preis, was einen Anstieg der Kosten für den Innenminister auf jährlich 75 Mio. Euro oder fünf Prozent seines Jahresbudgets bedeuten würde.
Bei Master-Talk wurden die Berichte am Freitag dementiert.
Man gehe nach wie vor von den ursprünglich angekündigten Nutzerzahlen aus, erklärte eine Sprecherin. Auch von den Plänen, auch Private auf das Netz zu bringen [was die Kosten insgesamt senken würde], sei man auf lange Sicht nicht abgegangen.
Öffnung für kommerzielle Teilnehmer wie Pizza-Dienste
Ende November 2002 hatte Projektbetreiber Master-Talk
angekündigt, das Netz auch für private Nutzer öffnen zu wollen. Eine
zusätzliche österreichweite Frequenz soll Transport- und
Zustelldienste wie Pizza-Hauszustellungen und Speditionen einbinden.
"Adonis" soll für Private geöffnet werdenZu teuer für die Blaulichtorganisationen
Laut "Presse" kehren die Blaulicht-Organisationen Adonis serienweise den Rücken.
Die Wiener Johanniter bestätigten etwa, dass für sie das Funknetz zu teuer sei. Die NÖ-Feuerwehr wolle nicht wie geplant 4.000, sondern 200 Geräte für die Kommandozentralen bestellen.
Die Wiener Feuerwehr wolle sich gar mit fünf Geräten begnügen. Auch das Rote Kreuz Niederösterreich spare. Statt wie bisher 1.100 Funkgeräte, soll die größte Rotkreuz-Landesstelle mit Adonis nur 700 Geräte benutzen.
