"Deutsche Telekom in Glaubwürdigkeitskrise"
Der neue Deutsche Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke sieht den Konzern in einer "tiefen Glaubwürdigkeitskrise".
"Das betrifft auf der einen Seite die Leistung des Unternehmens", sagte Ricke in einem am Samstag vorab veröffentlichen Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Hinzu kämen die vielen Klagen gegen die DT. "Auch das erschüttert des Vertrauen in den Konzern und sein Management."
Vorwürfe über Vorwürfe
Ricke verwies in diesem Zusammenhang auf die Vorwürfe der
Falschbewertung der Immobilien, der Falschbilanzierung beim Kauf des
US-Mobilfunkunternehmens Voicestream sowie der Ausstellung falscher
Rechnungen an Telekom-Kunden.
Deutsche Telekom"DT hat sich nichts vorzuwerfen"
Vor einigen Wochen hatten zudem mehrere Anwaltskanzleien gegen Rickes Vorgänger Ron Sommer sowie andere Telekom-Manager Strafanzeige wegen angeblichen Emissionsbetrugs beim dritten Börsengang des Unternehmens gestellt. Ricke wies auch diesen Vorwurf erneut zurück. "Der Börsenprospekt war und ist in Ordnung", sagte er.
Ricke fügte hinzu, die Telekom habe sich in keinem der Verfahren etwas vorzuwerfen. "Deshalb werden wir alles tun, die Vorwürfe schnellstens aufzuklären und verlorene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen."
Geschadet haben der Telekom, an der der Bund noch rund 43 Prozent der Aktien hält, Ricke zufolge auch die Umstände der Ablösung seines Vorgängers Sommer. "Aus Unternehmenssicht waren diese Monate in höchstem Grade schädlich. Vor allem die Vorgänge um die Ablösung von Herrn Sommer waren absolut unprofessionell", kritisierte Ricke.
Die Bundesregierung hatte Sommer nach heftiger öffentlicher Kritik an dessen Amtsführung Mitte 2002 die Unterstützung entzogen. Einer Abwahl durch den Aufsichtsrat war Sommer Mitte Juli mit seinem Rücktritt zuvorgekommen. Ricke löste im November Übergangschef Helmut Sihler an der Spitze der Telekom ab.
Ricke wiederholte ferner, dass momentan weder ein Börsengang der Mobilfunksparte T-Mobile noch ein Verkauf von Anteilen des Internet-Anbieters T-Online beabsichtigt sei.
