Microsoft warnt vor Vista-Cracks

13.11.2006

Seit kurzem kursieren vermeintliche Finalversionen von Windows Vista im Netz. Mit dem Austausch einiger Dateien soll sich deren Nutzungsdauer auf mehrere Monate ausdehnen lassen. Microsoft Österreich gibt sich "cool", warnt aber erwartungsgemäß vor "unseriösen Angeboten".

Die "Bill Gates Edition"

Ein Gespenst geht um in den einschlägigen Nerd-Foren: Die finale Version von Windows Vista [Build 6000] ist im Netz verfügbar, inklusive Anleitung, wie die obligatorische Echtheitsprüfung der Lizenz zumindest für einige Zeit umgangen bzw. bezwungen werden kann.

So soll es etwa bei der "Bill Gates Edition" reichen, einige Dateien auszutauschen, damit das Betriebssystem länger als die üblichen 30 Tage nutzbar sei. Auch Office 2007 sei bereits im Netz zu finden.

Microsoft Österreich "unaufgeregt"

Für Microsoft ist das ein heikles Thema: Einerseits ist der US-Konzern immer bestrebt, sein geistiges Eigentum zu schützen, andererseits könnten auf diesem Weg Poweruser erreicht werden, die Vista ein gutes Zeugnis ausstellen sollen – sofern Microsoft ein Auge zudrückt. Sobald die Lizenzen ausgelaufen sind, müssten die Nutzer ohnedies eine eigene Lizenz käuflich erwerben, sofern sie kein Downgrade wollen.

Diesen Gedanken weist Thomas Lutz, Sprecher von Microsoft Österreich, allerdings sofort von sich: "Es gibt keine Taktik des 'Süchtigmachens'." Abgesehen davon bleibe Microsoft bei dem Thema "cool": "Da gehen wir unaufgeregt heran."

Seit Mittwoch letzter Woche ist der Code von Vista fertig. MSDN-Nutzer sollen die RTM-Version [Release to Manufacturing] von Vista bereits vor dem offiziellen Release herunterladen und nutzen können.

Bei Kenntnis abgedreht

Ihm selbst sei noch nicht bekannt, dass der Goldcode [Gold bedeutet final, Anm.] von Vista im Netz kursiere, meinte Lutz gegenüber ORF.at.

Wenn dem aber so sei, dann gebe es technische Möglichkeiten, diese unerlaubt genutzten Kopien von Services auszuschließen bzw. abzudrehen und damit unbrauchbar zu machen. "Mein Rat an die Community: Hände weg von unseriösen Angeboten", so Lutz weiter.

Kein Verhindern möglich

Microsoft könne in diesen Fällen nur reagieren, so Lutz weiter, verhindern, dass ein Programm durch irgendwelche Leaks ins Netz gelangt, könne man niemals.

Das die, möglicherweise für die Nutzung der Finalversionen von Vista ebenfalls genutzten, gültigen Lizenzen für die bisherigen Vista-Betaversionen abgedreht werden, um so deren missbräuchliche Verwendung zu verhindern, verneinte Lutz.

Anfang November veröffentlichte Microsoft neue Lizenzen für Vista, nachdem eine vermeintliche Erstversion, die die Installation nur auf einem Rechner erlaubt hätte, für einen wahren Aufschrei gesorgt hatte.

Keine Stellungnahme zu Preisen

Zu den bereits kolportierten Verkaufspreisen von Windows Vista wollte Lutz gegenüber ORF.at nichts sagen. "Die Preise stehen kurz vor der Ankündigung", so Lutz, Gerüchte wolle er nicht kommentieren.

Auf der deutschen Amazon-Seite wird der Preis für die Ultimate-Edition von Vista unterdessen mit 549 Euro angegeben, Home Premium ist demnach um 329 Euro zu haben, die abgespeckte Basic-Version soll 259 Euro kosten. Für die Business-Ausgabe sollen 419 Euro fällig werden.

Als Auslieferungsdatum gibt Amazon den 30. Jänner an - jener Tag, für den auch Microsoft verspricht, dass Vista weltweit in den Regalen stehen soll.

Mit Windows Vista will Microsoft Multimedia auf allen PCs etablieren. Das bisher nur extra verfügbare Media Center ist ab der Home Edition bereits integriert, Videos und Bilder können drahtlos über die Xbox 360 auf dem Fernseher wiedergegeben werden - mit kleinen Abstrichen.

(futurezone | Nadja Igler)